Jestetten | Rheinau (hüf) Die Flucht eines Patienten aus dem Sicherheitstrakt der forensischen Psychiatrie in Rheinau ist nicht der erste Fall dieser Art. Bereits vor fast auf den Tag genau fünf Jahren war ein Patient ausgebrochen und über eine Woche lang untergetaucht. Erst dann stellte er sich freiwillig bei einem Polizeirevier im Kanton Zürich.

Autofahrer hatten am 18. Juli 2015 beobachtet, dass sich ein Mann auf dem Dach des Gebäudes befand. Am Mittag wurde er nur mit einer Unterhose bekleidet auf einem Privatgrundstück in der Nähe der „Badi Rheinau“ bemerkt. Später sahen ihn Zeugen an der „Schule an der Rheinschleife“ in Jestetten, wie damals ein Pressesprecher der deutschen Polizei bestätigte. Er hatte dort zwei Passanten angesprochen und um eine Hose beziehungsweise Bekleidung gebeten. Ihnen gegenüber gab er zu, er sei aus Rheinau ausgebrochen. Da sie ihm nicht weiter helfen konnten beziehungsweise wollten, habe er schließlich auf einem Tretroller seine Flucht fortgesetzt.

Den Passanten kam das Verhalten entsprechend seltsam vor, so dass sie schließlich die deutsche Polizei über diese Begegnung informierten. Diese löste eine Fahndung aus, da sie von der Kantonspolizei Zürich über den Ausbruch aus der Psychiatrie in Rheinau informiert war. Dabei war auch ein Polizeihubschrauber aus Baden-Württemberg im Einsatz.

Erst eine Woche nach dem Vorfall räumte die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich gegenüber Hierzuland.Info die Flucht ein. Eine öffentliche Fahndung nach dem Flüchtigen sei unterlassen worden, weil es sich um einen Untersuchungshäftling handelte, von dem weder Gewalt, Drohung oder Drittgefährdung ausgegangen sei.

Die Klinikleitung habe auf den Vorfall umgehend mit baulichen und anderen Maßnahmen reagiert, um das Risiko ähnlicher Vorfälle zu minimieren, versicherte 2015 die Gesundheitsdirektion Zürich gegenüber Hierzuland.Info.

Der Sicherheitstrakt der forensischen Psychiatrie in Rheinau wurde im August 2007 eingeweiht. Es handelte sich dabei um die größte forensische Klinik Mitteleuropas. Sie umfasst eine Klinik und ein Gefängnis. In Ihr werden psychisch kranke Straftäter aus der Deutschschweiz aufgenommen.

Der aktuelle Fall betrifft diesmal einen 33-jährigen Marokkaner, der in der Schweiz unter anderem wegen Sexualdelikten zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war und im Fahndungsaufruf als gefährlich bezeichnet wird.