Jestetten | Region Klettgau (hüf) „Littering“ oder „Clean-Up-Day“, das sind aktuelle Wortschöpfungen, die Viele gerne auf dem sprachlichen Müllhaufen sehen würden. Wäre da nicht die Tatsache, dass sie ein überall zu beobachtendes Phänomen beschreiben: Die ungeordnete Vermüllung von Landschaft und Lebensraum und deren Behebung.

Wer allerdings glaubt, das abstellen zu können, sollte einen Blick zurück werfen. Seit es den Menschen gibt, hinterlässt er Abfälle. Sehr zur Freude von Archäologen und anderen Wissenschaftlern, die sich mit Begeisterung darauf stürzen und Erkenntnisse gewinnen. Der hinterlassene Müll lässt Rückschlüsse zu auf Lebensgewohnheiten, Ernährung, Technik oder Klima.

In Zeiten der Entstehung dieses Abfalls kann der aber ein ästhetisches, ökologisches und ökonomisches Ärgernis darstellen. Gerade jetzt, da sich die Natur wieder herausputzt, das Tageslicht jedes Fitzelchen Abfall anstrahlt, treten solche menschliche Hinterlassenschaften deutlich hervor.

Auch in der Region Klettgau hält der Frühling Einzug und versetzt Spaziergänger in Rage, wenn ungeordnete Mülldeponien das Naturerlebnis trüben. Wer die Kehrwoche ausgiebig zelebriert, dessen Reinlichkeitsbedürfnis befindet sich auf einem anderen Level, als das des Homo Consumentus, der sich rasch der Verpackungen oder gar der nicht mehr benötigten Waren selbst entledigen will.

In Jestetten war die Aufregung um zwei Unternehmen im Ortszentrum groß, auf deren Gelände es mit der Sauberkeit nicht so bestellt war, wie es aufmüpfige Anwohner gerne gehabt hätten. Bürgermeisterin und Gemeinderat wären ja gerne eingeschritten, so die vielen Beteuerungen über Jahre hinweg. Erst als dann eine Unterschriftensammlung startete und sich schließlich die Medien der Sache annahmen, gelang eine Lösung.

Parkplatz in der Nähe der „Römerbrücke“ Mitte März. Die aufgeschütteten Erdhaufen eignen sich gut, um dahinter Abfall loszuwerden. Kein Versteckspiel gibt es hingegen bei den gut zehn Altreifen, die dort seit Monaten in der Böschung liegen. Bild: Hüfner

Doch auch auf der Gemarkung der Gemeinde verkommen Stellen in Wald und Wiese zu Deponien wegen Menschen, die den Weg zur eigenen Mülltonne scheuen und zu den Öffnungszeiten den Besuch des nächsten Wertstoffhofs nicht schaffen. Ein eklatantes Beispiel dafür ist im Bereich Volkenbach auf Höhe der „Römerbrücke“ zu besichtigen.

Einst bestand oberhalb der als Park-, Ausweich- und Lagerplatz genutzten Fläche Jestettens eigene Deponie für all das, was an Abfällen anfiel. Unter dem Grün schlummert gut versteckt noch immer der Wohlstandsmüll aus den 1970-er-Jahren. Heute springt jedoch sofort ins Auge, wenn an dieser Stelle die Nachfolgegeneration weiter ihren Abfall loswerden will.

Zwischen Februar und März gesellte sich dieser Drehstuhl zu der Mülldeponie am Volkenbach hinzu. Unter der Sitzfläche ist eine Beschriftung angebracht. Möglicherweise handelt es sich um eine Inventarnummer oder die Losnummer einer Tombola. Bild: Hüfner

Und der ist durchaus vielfältig: Altreifen, Kochgeschirr, Bauschutt, Plastikbehälter, Dosen, PET-Flaschen, Papierverpackungen, Hausmüllsäcke und vergammeltes Obst ruhen hier. Das Ensemble vermehrte sich zwischen 18. Februar und 16. März unter anderem noch um einen Bürostuhl und weitere Müllsäcke. Manche der Verpackungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits aufgerissen und verteilten ihren Inhalt in die freie Landschaft.

Auf die Frage, wer für die Beseitigung zuständig sei, antwortet das Landratsamt Waldshut: “ Verantwortlich für die Beseitigung von Verschmutzungen und Müllbeseitigung ist stets der Verursacher.“ Streckenwarte der Straßenmeisterei würden die Strecke zwei Mal wöchentlich befahren und bei Verschmutzungen oder Müllablagerungen die Polizei informieren,“ um mögliche Spuren zu sichern und den Täter zu ermitteln.“ Anschließend werde der Müll durch ein Entsorgungsunternehmen beseitigt. Auf Privatgelände dürfte die Straßenmeisterei nur bei unmittelbarer Gefahr für die Verkehrssicherheit tätig werden. „Für Gemeindestraßen sind die jeweiligen Gemeinden verantwortlich,“ heißt es weiter aus dem Landratsamt.

Zwei Mal der gleiche Kehrichtsack. Vermutlich haben ihn Tiere geöffnet, um an den Inhalt zu gelangen. Daneben verfaultes Obst, das anscheinend auch hier weggeworfen wurde. Bild: Hüfner

An der Stelle bei der „Römerbrücke“ werde  im Durchschnitt ein Mal in der Woche “ auf straßeneigenem Grundstück gesammelt.“ Jährlich kämen dabei drei bis vier Müllsäcke zusammen, meist Haus- oder Sperrmüll. Insgesamt, so rechnet das Landratsamt vor, fielen im Bezirk der Straßenmeisterei Lauchringen beim Einsammeln und der Beseitigung von Abfall an Park- und Rastanlagen im Jahr 2018 rund 9 000 Euro für Personal, Fahrzeuge und Geräte an. Woher der Abfall stamme, ließe sich nicht ermitteln oder könne aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mitgeteilt werden.

Eine Fritteuse der Marke „Intertronic“, die in der Schweiz verkauft wird. Daneben ein prall gefüllter Sack mit unbestimmtem Inhalt. Bild: Hüfner

Um etwas für die Sauberkeit zu tun, organisiert die Gemeinde Jestetten eine alljährliche „Dorfputzete“. In diesem Jahr findet sie am 13. April statt. Interessenten treffen sich am Bauhof. Gesucht und gesammelt wird bei jeder Witterung in der Zeit von neun bis 13 Uhr.

 

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Platzverweis für Einkaufstouristen

 

PET-Flaschen und Getränkedosen mit Schweizer Herstellerkennzeichnungen. Die zwei einst prall gefüllten Säcke lagen einen Monat später bereits geöffnet am Ablageplatz. Bild: Hüfner
Noch einmal die Getränkeverpackungen überhalb des Volkenbachs. Bild: Hüfner
Zwei etwas ältere Aufnahmen aus dem Wangental. Pectocalmine-Sirup eines Herstellers aus Villars-sur-Glâne und rechts eine Dose aus dem Sortiment eines Franchise-Unternehmens aus Muttenz bei Basel. Bild: Hüfner
Grundstück am Ortsrand von Jestetten, auf dem sich Kleinmüll sammelt. Rechts Bauschutt vom Parkplatz an der „Römerbrücke“. Bild: Hüfner
Auch ein Müllproblem: Verpackungen, die beim Discounter zurückgelassen werden. Bild: Hüfner
Blick rechts, Blick links und schwupps – ab in den Abfallbehälter. Kundin eines Discounters, die drei prall gefüllte Einkaufstaschen mit Abfall in einen Container wirft. Bild: Hüfner
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