Lottstetten (hüf) Nach der heftigen Schlägerei in einer Gaststätte in Lottstetten geht die Angst um. Gäste, die betroffene Familie und Nachbarn sprechen von krimireifen Szenen wie aus einer Großstadt. Sie alle sind überrascht und verunsichert über das Ausmaß der Gewalt, die sie erlebten oder mitansehen mussten.

Schon die Vorgeschichte mutet unglaublich an. Ein zehnjähriges Mädchen trifft sich am Nachmittag auf dem Spielplatz im Ortszentrum mit ihren Freundinnen. Sie sitzt auf einer Schaukel, als ein 14- und ein 17-Jähriger urplötzlich neben ihr stehen und sie massiv mit sexuell anzüglichen Sätzen beschimpfen und beleidigen. Verstört flieht sie zu ihrer Mutter, die von ihrem Platz in dem Lokal aus das Geschehen nur undeutlich mitbekam. So schildert sie es später gegenüber Hierzuland.Info.

Die Mutter will den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen und stellt die auf inzwischen vier Personen angewachsene Gruppe zur Rede. Ihr 22-jähriger Sohn ist mit dabei, während sich die vier Männer nach weiteren anzüglichen Beleidigungen in eine nahegelegene Wohnung zurückziehen. Dort im Treppenhaus des Gebäudes soll es dann zu einem ersten Schlagabtausch gekommen sein.

Danach kehrt Ruhe ein. Die Zehnjährige nehmen Familienangehörige in ihre Obhut und bringen sie vom Ort des Geschehens weg, die Mutter versucht in dem Lokal zur Ruhe zu kommen und das Erlebte zu sortieren.

Zahlreiche Einsatzfahrzeuge waren vor dem Lokal aufgefahren, nachdem es zu einem Überfall gekommen war. Bild: Privat

Weitere Zeugen schildern, was kurz danach geschah unter dem Eindruck von Fassungslosigkeit: „Völlig fremde Personen kamen ins Lokal“. Ohne Vorwarnung hätte sich einer einen Barhocker geschnappt und über den Tresen geworfen. Andere Stühle seien an Wände geworfen, Dekoration zerstört und Gläser zerbrochen worden. Schreiend hätten sich immer mehr Männer und einige Frauen in die Gaststätte gedrängt, randaliert und auf einzelne Gäste eingeschlagen.

„Das war ein Überfall“, berichtet ein sichtlich erschütterter Zeuge. Ein weiterer meint: „Ich hatte Angst um mein Leben!“ Gemeinsam gelang es schließlich, die auf 20 bis 30 Personen geschätzte Gruppe aus dem Lokal zu drängen, woraufhin der Wirt die Eingangstüre abschließen konnte.

Daraufhin hätten die Ausgesperrten die Autos vor der Gaststätte in Augenschein genommen, die Kennzeichen festgehalten und kontrolliert, wer mit welchem Fahrzeug wegfahre. Sie selbst, so geben Zeugen übereinstimmend an, seien in Autos mit deutschen und Schweizer Kennzeichen angekommen und diese Wild auf der Straße mit angeschalteter Warnblinkanlage abgestellt.

Eine völlig andere Version des Geschehens schildert ein Zeuge, der sich in der benachbarten Bar aufhielt. Demnach seien bei dem Streit auf dem Spielplatz zwei Zwölf und 13 Jahre alte Jungs beteiligt gewesen.

Ihnen sei die Mutter des Mädchens hinterhergelaufen und habe sie dann im Treppenhaus angegriffen. Zwei weitere Jungs, die an dem ursprünglichen Streit nicht beteiligt waren, seien dann vom Sohn bespuckt und einer auf den Boden geworfen worden. Eine Person habe dann auf einen von ihnen eingetreten. Dieser sei später mit dem Verdacht auf eine Hirnblutung mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gekommen.

Für den Augenzeugen ist es verständlich, dass nach diesem Angriff auf den Jungen Vater, Mutter, Onkel, Tanten, Oma und Opa kamen. Sie hätten eine Erklärung für den Angriff auf den Jungen gewollt. Deshalb seien sie in die Gaststätte gegangen, in der die Auseinandersetzung eskalierte. „Sie wollten wissen, warum der 15-Jährige zusammengeschlagen wurde“, so der Zeuge – und weiter: „Es ist traurig, dass man Kinder schlägt. So etwas darf nicht passieren.“

Erst mit Eintreffen der Polizei beruhigte sich die Lage, auch, weil die Beamten Platzverweise ausgesprochen hätten. Unbemerkt spielte sich der Überfall nicht ab. Der Straßenverkehr bekam die Ansammlung von Autos und Personen genauso mit, wie Passanten, Gäste eines weiteren Lokals und Anlieger.

Sie alle zeigten sich überrascht von den Szenen, die sich vor ihrer Haustüre in dem sonst eher beschaulichen Ort abspielten. Einig waren sie sich auch darüber, dass sie ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Sie befürchten, womöglich sonst selbst zu Opfern der aggressiven Schläger zu werden.

Aktualisiert 14.30 Uhr

 

Masssenschlägerei erschüttert Lottstetten

 

Video vom Polizei-Einsatz

 

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