Region Klettgau | Lauchringen (hüf) Nach 185 Jahren Firmengeschichte steht das Textilunternehmen Lauffenmühle vor dem Ende. In der Betriebsversammlung am Hauptsitz in Lauchringen sowie wenig später in Lörrach-Brombach gab der Insolvenzverwalter bekannt, dass die Produktion spätestens Ende Juli eingestellt wird. 242 Beschäftigte müssen sich bis dahin nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen.

Geschäftsführer Werner Ritzi  betonte vor der Betriebsversammlung: „Wir haben gekämpft bis zum Schluss“. Die Geschäftsleitung habe auf eine große Textilgruppe gehofft, die den Standort ausbauen würde. Die habe dann aber wegen der von ihr erkannten Risiken die Übernahme abgesagt.

Sagen sie mir ein Management, in dem kein Fehler gemacht wurde.

Lauffenmühle-Geschäftsführer Werner Ritzi

Für Rechtsanwalt Boris Sakowski vom Insolvenzverwalter „Grub Brugger“ aus Stuttgart handelt es sich bei dem Vorgang um einen Investorenprozess, der kein Ergebnis gebracht hat. Somit könne der Geschäftsbetrieb nicht fortgesetzt werden. Was jetzt kommt, nannte er eine geordnete „Ausproduktion“, „um den Mitarbeitern bis dahin eine Beschäftigung zu geben.“

Nach Ansicht von IG Metall-Gewerkschaftssekretär Franz Ritter wurden bei der Lauffenmühle in den letzten Jahren Managementfehler gemacht. „Das braucht man nicht zu verschweigen.“ Ritter bedauert das Ende des Unternehmens, zumal die Belegschaft in den letzten Monaten noch Überstunden und Sonderschichten leistete. Trotzdem sei der Lohn dieser harten Arbeit die Arbeitslosigkeit.

Der Strukturwandel der Textilindustrie am Hochrhein hat mit der Insolvenz der Lauffenmühle sein trauriges Ende genommen. Das ist nicht nur für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern auch für Lauchringen und unsere gesamte Heimatregion ein schwerer Schlag.

SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter

Die SPD- Bundestagsabgeordnete, Rita Schwarzelühr-Sutter, die in Lauchringen zuhause ist, bedauerte, „dass sich nun auch im fünften Insolvenzverfahren kein wirtschaftlich nachhaltiges Konzept ergeben hat, welches den Erhalt der rund 240 Arbeitsplätze dauerhaft gesichert hat.“

Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen eröffnete zum 1. April das Insolvenzverfahren. Den Antrag hatte die Lauffenmühle GmbH & Co. KG im Januar wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung gestellt. Zum Wochenbeginn fand sich dann der Gläubigerausschuss zusammen. Seitdem wurde im Unternehmen bereits hinter vorgehaltener Hand über das Aus spekuliert.

In den besten Zeiten bestanden fünf Betriebsstätten in Höllstein, Steinen, Blumberg, Brombach und Lauchringen mit rund 2 200 Angestellten. Der Niedergang der Textilindustrie am Hochrhein und im Wiesental  ging auch an der Lauffenmühle nicht spurlos vorbei. 1993 erfolgte die erste Insolvenz, die mit Hilfe von Land und Banken überwunden werden konnte.

Zuletzt hielten die beiden Geschäftsführer Volker Seidel und Werner Ritzi jeweils 47 Prozent der Anteile, sechs Prozent der Investor Claas E. Daun.

 

Lauffenmühle-Belegschaft hadert mit Geschäftsführung

Das Aus für Textilfirma Lauffenmühle kommt Ende Juli

Lauffenmühle in Turbulenzen

 

Protestkundgebung nach der Betriebsversammlung

Alle Bilder: Manfred Hüfner

 

Video der Proteste

 

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