Kreis Waldshut (hüf) Erika Bertschinger-Eike, Chefin der Sekte „Fiat Lux“ („Es werde Licht“), ist am Sonntag gestorben. Sie lebte zuletzt mit den ihr treu ergebenen Anhängern zurückgezogen in der Gemeinde Ibach im Hotzenwald.

Bereits am Sonntagabend machte die Nachricht in einer informellen Gruppe über die Sekte die Runde, dass das selbsternannte „Sprachrohr Gottes“ nur Tage nach ihrem 90. Geburtstag starb. Seit vielen Jahren hatte sich die Sektenchefin nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Laut gut informierten Kreisen aus dem Umfeld des sogenannten „Ordens“ war sie an Krebs und der Nervenkrankheit ALS erkrankt. In der Folge hätten viele Mitglieder die Sekte verlassen. Zuletzt soll die Zahl der Gefolgschaft bei unter einhundert gelegen haben. In Hochzeiten, so Schätzungen eines Insiders, seien es über 700 gewesen, dazu zahlreiche Anhänger vor allem in der Schweiz und in Deutschland.

„Uriella“ und „Icordo“ im Juni 2002 in der Stadthalle Waldshut. Archivbild: Hüfner

„Uriella“, mit bürgerlichem Namen Erika Bertschinger-Eike, gründete 1980 im schweizerischen Egg im Kanton Zürich „Fiat Lux“. Zum Mittelpunkt des Sektenlebens wurde jedoch bald darauf Ibach beziehungsweise dessen Ortsteil Lindau. 1999 zog Uriellas vierter Ehemann, Eberhard Bertschinger-Eicke alias „Icordo“ sogar in den Ibacher Gemeinderat ein.

Zu dieser Zeit war die Medienpräsenz von „Uriella“ enorm. Ihre Heilpraktikertätigkeit hatte die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Nach einer Reihe von Prozessen wurde ihr die Berufsausübung untersagt. In einem weiteren Verfahren vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen ging es zudem um den Tod dreier schwerkranker Frauen aus dem Umfeld der Sekte. Hier wurde „Uriella“ freigesprochen. Eine Verurteilung gab es hingegen in einem Prozess vor dem Landgericht Mannheim wegen Zoll- und Steuerhinterziehung. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Sektenchefin „Heilmittel“ aus der Schweiz eingeführt und Steuern von über 500 000 Euro hinterzogen hatte.

Für die Medien war „Fiat Lux“ immer ein dankbares Thema. Wenn es genehm war, gab die Sektenleitung bereitwillig Interviews. Archivbild: Hüfner

Weiterer Verhandlungen gab es wegen „Fiat Lux“ auch vor dem Arbeitsgericht. Hier hatte eine Pflegeeinrichtung aus dem Raum St. Blasien eine Sektenangehörige entlassen, weil diese an ihrem Arbeitsplatz ein zehnseitiges Schreiben von „Icordo“ unter den Mitarbeitern herumgereicht hatte. Für Presserummel sorgte auch, dass sich „Fiat Lux“ für ein Tierheim in Waldshut-Tiengen engagierte. Zeitweise besaßen Mitglieder der Sekte die Mehrheit bei den Versammlungen des Tierschutzvereins.

Aufsehen erregte 1998 auch die Aussage von „Uriella“, am 9. August breche der 3. Weltkrieg aus. Die Welt drehte sich zwar weiter, doch 2002 kam wieder eine apokalyptische Warnung, diesmal von ihrem Ehemann. Der ließ die Öffentlichkeit wissen, bei Ulm solle eine Katastrophe stattfinden. Fürsorglich wurden dort im Umkreis von 120 Kilometer lebende Sektenmitglieder gewarnt und ins „Heiligtum“ nach Ibach in den Hotzenwald beordert.

„Uriella“ bei einer Versammlung des „Tierschutzvereins Waldshut-Tiengen und Umgebung“ im Jahr 2002. Damals befand der sich fest in den Händen von „Fiat Lux“. Über 80 Prozent der Anwesenden gehörten damals der Sekte an. Archivbild: Hüfner

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Interesse an der Sekte und „Uriella“ aber schon stark abgenommen. Erste Spekulationen über eine Erkrankung der betagten Sektenchefin kursierten und es gab keine öffentlichen Auftritte mehr von ihr. Mit „Uriellas“ Krankheit ging die Sekte wohl zunehmend in „Icordos“ Hände über.

Die von ihm mitunterzeichnete Traueranzeige, die derzeit kursiert, nennt den kommenden Freitag für die Abdankung. Die Trauerfeierlichkeiten für „Uriella“ sollen demnach in der katholischen Kirche in Unteribach stattfinden.

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