Ein Wanderer zwischen Heimat und Globalität

Von Manfred Hüfner

Region Klettgau | Der Künstler Hans Persinger ist tot. Er starb Ende November mit 71 Jahren, wie erst jetzt bekannt wurde.

Die Jestetter kannten ihn eher als jemanden, der interessiert auf sie zuging, sie bei seinen vielen Spaziergängen rund um den Ort ansprach, sahen ihn vor der Käsetheke im Supermarkt oder wenn er seinen Wurstsalat im Gasthaus „Löwen“ genoss.

Sein Haus oberhalb des Ortes war für ihn Atelier, aber auch Ausgangspunkt für seine immer wieder neuen Entdeckungstouren der modernen Welt. Japan, Tessin, die Vereinigten Staaten hinterließen in seinen Arbeiten ihre Spuren.

Eine Blumenwiese, gestaltet von Hans Persinger. Bild: Persinger

Das Stiefmütterchen aus seinem Garten in Jestetten gesellte sich zur Kaktusfeige aus Italien, dazu der Frauenschuh aus dem Orchideenschutzgebiet der Küssaburg – sie zieren seitdem das Wandbild einer Bar in Dubai.

Als Heranwachsender malte Persinger bereits Filmplakate für Kinos. Er verschrieb sich dem Fotorealismus, arbeitete dann aber über lange Jahre als Marketing-Fachmann. Vor gut 20 Jahren wechselte er schließlich mit allen Risiken in den Kunstbetrieb. Seine Verkaufserfahrungen setzte er dabei wie selbstverständlich ein. Zeigte eine Galerie Interesse an seinen Bildern, setzte er sich schon einmal einen Tag lang ins Auto und beobachtete, wer dort alles ein und aus ging, um abzuschätzen, ob seine Kunst dort gut aufgehoben wäre. Zum Jahresende erinnerte er regelmäßig nicht nur die Käufer seiner Werke gerne mit künstlerisch gestalteten Aufmerksamkeiten an sich.

Wer sich mit Persinger unterhielt, der erfuhr eher am Rande, mit welchen Persönlichkeiten aus Management, Kultur und Kunst er in Kontakt stand, welche seine Bilder erwarben, ja sammelten. Ihm lag wenig daran, darüber zu reden.

Vielmehr schien ihm dieser Einblick in die aktuelle Wirtschafts- und Kunstwelt Gelegenheit zu geben, seine Motive und Themen zu finden, denn ihm war es wichtig das zu zeigen, was gerade die Menschen bewegt. Dem öffnete er sich ganz bewusst, suchte nach neuen Strömungen, setzte sich mit dem Zeitgeschehen auseinander.

Der Tüftler in Persinger widmete sich auch der Präsentation seiner Kunstwerke. Hier entickelt er einen Prototyp für einen „Luchtkasten“. Archivbild: Hüfner

Dabei stellte er Fragen. Er vermisste beispielsweise den Sonntagsanzug und den damit verbundenen Sonntagsspaziergang. Das setzte er in Bezug zu einer Gesellschaft, in der die Kommunikation immer neue Wege einschlägt und eigene Bilder schafft.

So leuchten Zahlen, Symbole, Piktogramme in seinen Bildern, erstrahlen in Popfarben, scheinen durch die Farbflächen hindurch, überlagern sich, bilden Reihen. Dazwischen Gesichter, Silhouetten von Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen.

Dafür entwickelte er eine eigene Technik und Arbeitsweise, fertigte Stempel an. Sie füllten in seinem Atelier fast einen ganzen Raum. Dazu kam sein Interesse an technischen Lösungen.

2009 wechselte er von der Leinwand zu Kunststoffmaterialien als Malgrund. Transparente Plexiglas-Scheiben hinterleuchtete er und fasste sie in spezielle Rahmen. Das Ziel dabei: Seine Bilder sollten vor der Wand schweben und keine Halterung oder gar Rahmen zu sehen sein. „Es steckt ein kleiner Tüftler in mir“, meinte er einmal dazu

Eindrücke aus Japan verwandelte Persinger zu Vorlagen für hinterleuchtete Wandbilder. Bild: Persinger

Inspirationen holte er sich bei Reisen in Metropolen. Erheblichen Einfluss hatte dabei ein Japanaufenthalt im Jahr 2005. Hier entdeckte er die Fotografie neu. Tokio hielt er auf einem Speicherchip fest. Anschließend stellte eine Kölner Galerie die Prints aus. Chefs und Mitarbeiter japanischer Unternehmen pilgerten damals zuhauf in seine Ausstellung.

Zuletzt gab es noch eine Gemeinschaftsausstellung im Künstlerhaus in Lottstetten. Unter dem Titel „In and around the house zeigte Persinger noch einige seiner Werke. Dass es der letzte künstlerische Auftritt werden sollte, ahnten damals wohl die wenigsten.

 

Zur Erinnerung an Hans Persinger

Bilder: Manfred Hüfner

 

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