St. Blasien (hüf) Dramatische Stunden erlebte die Stadt St. Blasien in der Nacht auf Freitag. Die Alb drohte, wie bereits 1990, großflächig über die Ufer zu treten. Ein ganzer Straßenzug musste evakuiert werden. Auch im Ortsteil Menzenschwand sorgten Einsatzkräfte dafür, dass die Bewohner eines Teils des Ortes ihre Häuser verließen, die von einem Hangrutsch bedroht wurden. Erst nach Mitternacht entspannte sich die Lage durch fallende Pegel. Verletzte sind bislang keine zu beklagen. Rund 250 Einsatzkräfte wurden zur Bewältigung des Hochwassers und seiner Folgen aufgeboten. Der bereits vorbereitete Katastrophenalarm musste nicht ausgerufen werden.

In Menzenschwand am Schwarzbergweg trat der Bach über die Ufer. Bild: Hüfner

Am Donnerstagmittag stand der Pegel der Alb noch bei 1,5 Meter, stieg aber weiter an, so dass die Freiwillige Feuerwehr St. Blasien gegen 16 Uhr alarmiert wurde, um die ersten vollgelaufene Keller auszupumpen. Auch das Gebiet um den Dom wurde von Wehren aus dem Rheintal mit mobilen Hochwassersperren gesichert, da der Wasserpegel weiter stieg. Wie Bürgermeister Adrian Probst berichtete, verschärfte sich die Situation zusehends durch Tauwetter und Regen beziehungsweise einsetzenden Schneefall. Um 22 Uhr wurde dann entschieden, sich auf einen Katastropheneinsatz einzurichten.

Technisches Hilfswerk mit Hochleistungspumpen und schwerem Räumgerät, Bergwacht für eventuelle Rettungseinsätze für verunglückte Bewohner und Helfer sowie DLRG mit mehreren Booten und Rotes Kreuz sammelten sich am Gerätehaus der Feuerwehr in St. Blasien. Ebenso tagte mehrfach ein Führungsstab, dem auch Landrat Martin Kistler angehörte.

Feuerwehren aus Küssaberg, Waldshut-Tiengen, Albbruck, Laufenburg und umliegenden Gemeinden von St. Blasien waren ebenfalls alarmiert worden. Die Polizei sorgte für Straßensperren und kontrollierte später die Verbindungswege in den Ort auf mögliche Gefahrenstellen. Diese schilderte die Straßenmeisterei aus.

Evakuierte in der Pater-Alfred-Delp-Halle. Bild: Hüfner

In der Menzenschwander Straße stand das Wasser bereits auf der Straße, als die Evakuierung von rund einhundert Anwohnern lief. Die Hilfskräfte befürchteten, bei steigendem Pegel nicht mehr zu den dann Eingeschlossenen zu gelangen. Viele Evakuierte kamen in der Pater-Alfred-Delp-Halle beim Dom unter, wo sie das Rote Kreuz mit Getränken versorgte. Zudem wurden vorsorglich Feldbetten aufgebaut.

Für Alarmstimmung unter den Einsatzkräften sorgte eine Blitzmeldung, dass in Menzenschwand sieben Häuser von einem Hangrutsch getroffen wurden. Hier gelang es den Helfern, mehrere eingeschlossene Personen zu befreien. Die Evakuierten aus dem Hinterdorf kamen anschließend in einem Gasthaus im Ort unter. Als zusätzliche Schierigkeit erwiesen sich mehrere Heizöltanks in den Häusern, die umkippten und ausliefen, wie Bürgermeister Probst berichtete.

Ein kleiner Teil des Aufgebots an Hilfskräften vor dem Gerätehaus der Feuerwehr in St. Blasien. Bild: Hüfner

Gegen Mitternacht entspannte sich die Situation spürbar. Nicht nur dass der Regen nachließ, auch der Pegel der Alb stoppte knapp vor der 3-Meter-Marke und sank dann kontinuierlich. Gegen zwei Uhr rückten dann die ersten Helfer wieder ab. In Menzenschwand begann das THW Bagger abzuladen, die mit Schwertransportern gebracht wurden. Für den Freitagmorgen war geplant, dass ein Geologe den Hangrutsch genauer in Augenschein nimmt. Zudem sollte ein Hubschrauber der Polizei das Gelände aus der Luft näher erkunden. Für die rund einhundert Bewohner der Menzenschwander Straße war schließlich die Ungewissheit gegen 2 Uhr vorbei. Sie konnten wieder in ihre Häuser zurück.

 

Bürgermeister Adrian Probst, St. Blasien

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