Waldshut (PM Pol FR | red) Vor dem Waldshuter Spital fanden am Mittwoch Angestellte ein Neugeborenes auf dem Parkplatz. Die Kriminalpolizei konnte bald darauf die Mutter ermitteln. Beide befinden sich in ärztlicher Behandlung.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung teilten das Polizeipräsidium Freiburg und die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen noch am gleichen Tag mit, dass Mitarbeiter der Klinik das Kind am Mittwochmorgen im Freien fanden. Es sei in Tücher und einen Teppich eingewickelt gewesen und habe sich in einer Tragetasche befunden. Abgelegt wurde es demnach auf dem Parkplatz des Klinikums.

Die Spitalbeschäftigten brachten das Neugeborene sofort zur Geburtshilfestation. Dort sei festgestellt worden, dass es sich um einen Jungen handle, der erst wenige Stunden alt war. Der Säugling war unterkühlt, habe aber ansonsten keine Verletzungen aufgewiesen.

Die Klinik habe umgehend die Polizei verständigt, woraufhin das Kriminalkommissariat Waldshut-Tiengen ermittelte und nach einem Hinweis die Mutter des Neugeborenen ausfindig machte. Die Frau wurde dann auf Grund ihres Zustands in ein Krankenhaus gebracht.

 

Fakten zum Thema

Das Aussetzen von Kindern ist kein gesellschaftliches Problem unserer Zeit. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts ließ ein Papst an einem vatikanischen Hospital eine „Babyklappe“ einrichten. Später verfügten viele Waisen- und Findelhäuser über solch eine Möglichkeit der anonymen Abgabe von Kindern.

Allerdings gibt es erhebliche Kritik an dieser Einrichtung, denn die Zahl der ausgesetzten Kinder ging in Deutschland trotz der Einführung von Babyklappen und weiteren Angeboten zur anonymen Geburt nicht zurück. Sie würden von Eltern benutzt, die ihr Kind ansonsten regulär zur Adoption freigegeben hätten. Die Gewerkschaft der Polizei sieht eine weitere Problematik der Babyklappen, dass sich die Notsituation, in der sich die Mutter befindet, in der Regel nicht auflösen wird, nur weil sie das Kind anonym abgegeben hat.

Viele Frauen bräuchten dringend Unterstützung, die durch die anonyme Abgabe des Kindes jedoch nicht geboten werden könne. Sie verweist auf die öffentlichen Unterstützungsmöglichkeiten sowie Hilfs- und Beratungsangebote für werdende Mütter, die sich in einer Notlage befinden.

Fakt ist, dass jährlich zwischen 20 und 30 Säuglinge in Deutschland jedes Jahr tot aufgefunden werden. Ungefähr die gleiche Zahl noch einmal lebend, so das Kinderhilfswerk „terre des hommes“. Was die Mütter dazu bewege, ihre Säuglinge auszusetzen oder gar zu töten, werde nur in den seltensten Fällen bekannt.

Gründe dafür können sein: Die Vertuschung eines Inzests, ein Seitensprung mit Folgen, die Abschiebung eines schwerbehinderten Kindes oder der Druck von Eltern, Angehörigen oder des Freundes auf eine ungewollt Schwangere.  Die Tötung eines Neugeborenen folge einer anderen Psychodynamik als die geplante Aussetzung eines Kindes in der Klappe oder seine anonyme Geburt in einer Klinik.

Statistik von „terre des hommes“

 

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