Betriebsgebäude mit den dahinter liegenden beiden Faultürmen, die saniert werden müssen. Bild: Hüfner
Betriebsgebäude mit den dahinter liegenden beiden Faultürmen, die saniert werden müssen. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Eine Kläranlage, das ist der After einer Kommune, in dem zudem noch ordentlich Geld verlocht werden muss.

In Jestetten werden das über 200 000 Euro im kommenden Jahr sein. Ursprünglich hatte Erich Zobrist von der Firma Holinger aus Hohentengen Maßnahmen in Höhe von 310 000 Euro vorgeschlagen. Das war dann Bürgermeisterin Ira Sattler etwas zu viel. Schließlich ist die Kläranlage nicht die einzige Einrichtung, die Jestetten zu unterhalten hat.
Also machte sich Obrist daran, noch in der Sitzung das Wünschenswerte vom Notwendigen zu scheiden. Heraus kamen Abstriche von annähernd 70 000 Euro, was bedeutet, dass mehrere Investitionen eben um ein Jahr geschoben werden.

Für Zobrist bedeutete der erste Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung, weit weit zurück zu schauen. 1974 ging die Jestetter Kläranlage, die am Rheinufer unterhalb von Altenburg steht, in Betrieb.

Trotz Ertüchtigung in den 1990-ern ist sie ein Oldtimer. Einst für 12 000 Einwohnerwerte ausgelegt, haben sich die Anforderungen an sie halbiert. Heute fehlen die einst kalkulierten Gewerbebetriebe. Der Zufluss kommt zumeist aus den privaten Abwasserkanälen.

„Die Anlage ist in einem sehr guten Zustand“, versichert Zobrist und fügt hinzu, dass sie die gesetzlich festgelegten Reinigungsleistungen der Abwässer erfüllt.

Dann listet er auf, was getan werden muss, damit das in Zukunft so bleibt. Sand und Fett abzufangen geht nicht mehr so gut mit den porösen Schläuchen, den ausgeschlagenen Lagern der Maschinen. Eine undichte Schwelle beim Vorklärbecken, altersschwache Gebläse im biologischen Teil, Algenbewuchs im Zulauf zum Nachklärbecken. Ein völlig uneinsehbarer Faulbehälter für die Schlammbehandlung, der besser isoliert werden sollte und dann noch ein in Teilen maroder Zaun.

Aber wirklich wichtig wird die Heizungsanlage. Soll die das Methangas in Strom und Wärme verwandeln, das aus dem anfallenden Klärschlamm gewonnen werden kann? Zu wenig ist es, um die Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu erfüllen. Wie gehabt, wird es auch in Zukunft abgefackelt, wenn der vorhandene Tank voll ist.

Ein Blockheizkraftwerk damit zu betreiben sei unwirtschaftlich, rechnet der Ingenieur vor. Darauf beharrt auch die Bürgermeisterin immer wieder, wenn sie sich in die Debatte einschaltet. Zobrist rennt offene Türen ein, als er vorschlägt, die erforderliche neue Heizungsanlage wenigstens mit Anschlüssen für eine eventuell spätere Installation auszustatten. 1 000 Euro Mehrkosten verursacht das.

Ökologie sei ihre Herzensangelegenheit, bekundet die Bürgermeisterin, aber Wirtschaftlichkeit geht für sie vor. Die Verwendung von zusätzlichem Flüssiggas für den Betrieb eines Blockheizkraftwerks lehnt sie ab. Sie erzählt von einer Freundin, von zusätzlichen Kosten für den Flüssiggastank und dass das nicht gehe, so viel dafür auszugeben.

Die Geländer entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen an die Unfallverhütung. Bild: Hüfner
Die Geländer entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen an die Unfallverhütung. Bild: Hüfner

Zobrist verweist auch noch auf die Regenüberlaufbecken Tobele und Talgasse. Die müssten als Teil der Kläranlage gesehen werden. Auch da kämen noch Ausgaben auf die Gemeinde zu.

Die Betonsanierung, die Erneuerung der Fugenabdichtungen, Ersatz für marode Anlagenteile – all das hat der Ingenieur parat, samt Bildern, damit der desolate Zustand der Anlagenteile deutlich wird.

310 000 Euro seien sofort fällig, mittelfristig 200 000 Euro, längerfristig noch einmal 80 000 Euro, lautet seine Botschaft. Einstimmig stimmt der Gemeinderat. Stimmt zu, dass Gelder in den Haushaltsplan 2014 aufgenommen werden, dass die ein oder andere Veränderung verschoben wird, bei der das möglich ist. Die Kläranlage muss schließlich funktionieren. Sattler bringt sogar noch die Staatsanwaltschaft ins Gespräch. Die solle doch nicht tätig werden müssen am Jestetter Rektum.

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