Jürgen Kreusch (links) und Marcos Buser bei der Veranstaltung in Jestetten. Bild: Hüfner
Jürgen Kreusch (links) und Marcos Buser bei der Veranstaltung in Jestetten. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Welche Lehren soll die Region aus den Beteiligungsverfahren für die Suche nach einem Standort für ein Endlager für Atommüll ziehen?

Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung von Hochrhein Aktiv in Jestetten. Mit dabei die beiden Geologen Jürgen Kreusch und Marcos Buser. Ersterer ist seit Jahren mit Asse II in Deutschland befasst. Letzterer hatte in der Schweiz eine führende Rolle bei den Vorbereitungen der Suche nach einem Endlagerstandort.

Deutlich wurde in der Veranstaltung, dass die bisher in Deutschland und der Schweiz angewandte Methode der Suche nach einem Endlagerstandort mit sehr vielen Fehlern und Unwägbarkeiten verbunden ist. Kreusch und Buser belegten dies anhand von Fakten aus ihrer jahrzehnte dauernden Beschäftigung mit dem Themenkomplex.

„Viel Murks, viel Ärger“, meinte Kreusch einleitend bei seinem fast halbstündigen Referat. Alleine schon die Tatsache, dass die Standortfestlegung nach dem Bergrecht und nicht dem viel schärferen Atomrecht ablief, hält er für kritikabel. „Es wurde schöngeredet oder abgestritten“, beschreibt er die Reaktionen auf erste Kritiken an „der Asse“. Ein wissenschaftlich begründetes falsches Handeln hätten zu den heutigen Problemen mit eindringendem Wasser und Freisetzung von Strahlung geführt. Lange sei dies vertuscht worden. Die beteiligten Institutionen hätten versagt, aus Eigeninteresse oder Überforderung. Erst durch den Druck der Öffentlichkeit habe seit 2007 ein Einlenken statt gefunden. Kreuschs Fazit: „Die Asse ist ein verkorkster Standort.“

Zum Verfahren der Schweizer Standortsuche meinte der Geologe: „Bei ihnen besteht die Möglichkeit, es besser zu machen, als bei der Asse.“ Unabhängige Kontrollgremien zur Einhaltung der Regeln seien erforderlich, eine Beurteilung aus der Distanz. Die an den Regionalkonferenzen Beteiligten warnte er, sie sollten „nicht in die Mitmachfalle treten“ und sprach von einem heiklen Spiel, wenn aus Betroffenen plötzlich Beteiligte würden.

Gut 130 Personen aus der gesamten Region bis in den Kreis Konstanz hinein kamen zu der Informationsveranstaltung. Bild: Hüfner
Gut 130 Personen aus der gesamten Region bis in den Kreis Konstanz hinein kamen zu der Informationsveranstaltung. Bild: Hüfner

Buser meinte zu den Fehlern bei der Asse II: „Das darf nicht mehr passieren, das ist eine absolute Frechheit an künftigen Generationen“. Die Denkfehler, die in der Konzeptphase gemacht worden seien, würden sich dann immer wieder bei der Umsetzung „durchpausen“. Seine Erfahrung ist, dass Kritik von den Verantwortlichen nicht ernst genommen, sondern abgelehnt und ein offener Diskurs klein geschrieben werde. „Es ist ein Spiel, es ist erniedrigend“, so Buser. Er hob in seinem Vortrag stark auf den Grundwasserschutz ab, der bei den allerwenigsten der 20 möglichen Standorte der Oberflächenanlagen berücksichtigt werde und zählte diese auf.

Er mahnte, aus den bisherigen Erfahrungen Konsequenzen zu ziehen: Kritiker ernst nehmen, sie nicht ausgrenzen, ihre Argumente zur Korrektur nutzen und Kantonen, Deutschland und auch den Kommunen ein Veto-Recht einräumen. „Die Regionen müssen die Verantwortlichen zwingen können, Änderungen vorzunehmen“, lautete sein Fazit.

Wie bei jeder atomkritischen Veranstaltung, meldete sich in der anschließenden Diskussion ein Vertreter der Nagra zu Wort. Markus Fritschi wies die Kritik zurück, dass seine Organisation nicht auf Kritik eingehe. Das veranlasste die Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter allerdings zu einer scharfen Replik. Es werde von den beteiligten Schweizer Institutionen nur reagiert, wenn der öffentliche Druck groß sei. Das derzeitige Beteiligungsverfahren nannte sie eine Pesudo-Beteiligungs- beziehungsweise Pseudo–Beschäftigungstherapie. Sie forderte, dass das Thema Vetorecht noch einmal auf den Tisch kommt.

Rita Schwarzelühr-Sutter war eine der vielen Bürger, die Fragen an die Experten Kreusch und Buser stellten. Bild: Hüfner
Rita Schwarzelühr-Sutter war eine der vielen Bürger, die Fragen an die Experten Kreusch und Buser stellten. Bild: Hüfner

„Es ist unsere Aufgabe, immer wieder Fragen zu stellen“, hatte Ulrike Elliger von Hochrhein Aktiv bereits in der Begrüßung festgestellt. Mirko Bastian, der den Abend moderierte, wies darauf hin, dass momentan die Entscheidungen für die Festlegung des Endlagerstandorts fallen. Der Vertreter einer Bürgerinitiative aus der Gegend um das AKW Gundremmingen forderte vor den gut 200 Besuchern am Ende der Veranstaltung, den die Produktion von atomarem Müll zu beenden und nicht die Energiewende zu bremsen. Die Menge, des in der Asse eingelagerten Atommülls, werde derzeit an einem einzigen Tag in Gundremmingen neu erzeugt.

Marcos Buser beantwortete Zuhörerfragen. Bild: Hüfner
Marcos Buser beantwortete Zuhörerfragen. Bild: Hüfner

 

Aufmerksamkeit bei den Vorträgen. Bild: Hüfner
Aufmerksamkeit bei den Vorträgen. Bild: Hüfner
Es wurden viele Fragen an die Experten gestellt. Bild: Hüfner
Es wurden viele Fragen an die Experten gestellt. Bild: Hüfner
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