Laubwald, wie hier im Wangental, beschert der Gemeindekasse Jestetten derzeit Einnahmen. Bild: Hüfner
Laubwald, wie hier im Wangental, beschert der Gemeindekasse Jestetten derzeit Einnahmen. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Waldsterben? War da was? Borkenkäfer? Wie noch mal?

Im Jestetter Gemeinderat stand der Bewirtschaftungsplan für das kommende Jahr an erster Stelle der Tagesordnung. Dass ihn Ralf Göhrig vorstellte, stand noch nicht ein Mal in den spärlichen Beratungsunterlagen der Gemeinderäte.

Und dass er irgendwie etwas mit Forst zu tun hatte, das mussten sich die anwesenden Bürger zusammen reimen. Aber Göhrig gehört dann doch nicht zu den „Anonymen Förstern“, ist im Ort als Privatmensch präsent.

Tortendiagramme und Excel-Dateien tauchten hinter ihm an der Wand auf, als er dem Gemeinderat Rede und Antwort stand. „Wir können vernünftig wirtschaften“, äußerte er. Und bald darauf: „Ich bin 22 Jahre Förster in Jestetten.“

Jetzt war es raus, selbst für Zugereiste klar. Er erinnerte sich daran, wie er 1992 als Förster nach Jestetten kam. Ja, da seien ein paar Eichenwipfel für zwölf Mark verkauft worden, weil niemand etwas damit anfangen konnte. Die Entwicklung bis zum Jahr 2014 macht in stolz. 32 Euro erlöst seine Behörde heute für solches Holz.

„Man könnte locker mehr verlangen“, erklärt er den Gemeinderäten. Die Holzpreise sind gut. Ganz besonders die für dunkle Hölzer wie Eiche. Bis zu eintausend Euro gibt es für den Festmeter.

Brennholz ist, das berichten alle Förster schon seit einigen Jahren, gesucht, begehrt, unterbezahlt. „Wir sind am untersten Ende in Baden-Württemberg“, meint Göhrig zu den Preisen dafür. 52 Euro werde in Jestetten für den Festmeter verlangt, 67 Euro seien es im Land. Der Beleg fehlt, die Räte nehmen die Aussage zur Kenntnis, fragen nicht nach, warum ausgerechnet in ihrem Wald solche Schleuderpreise üblich sind. „Man könnte locker mehr verlangen“, berichtet ihnen ihr Förster.

Buchenwald (wie auf dem Bild) ist nicht alleine für den Förster von Jestetten die Zukunft. Bild: Hüfner
Buchenwald (wie auf dem Bild) ist nicht alleine für den Förster von Jestetten die Zukunft. Bild: Hüfner

Genau so verhält es sich mit dem „Industrieholz“, was der Begriff für den Nachschub der Papierindustrie ist. Die hatte einst sogar Papier im Programm, das Rindenreste enthielt, verkaufte es als Innovation für besonderes Design.

Immerhin, so bekommt der Jestetter Gemeinderat zu hören, ist sein Wald eher vielfältig. Modetrends von Möbelindustrie und Markt kann er bedienen. „Wir haben im Moment kein Sortiment, wo wir drauf legen müssen“, berichtet Göhrig.

Zeiten, in denen selbst der Bau eines Waldweges den Gemeindehaushalt kräftig in Anspruch nahm, sind schon länger Vergangenheit. Wo was gebaut wird, bleibt im Ungefähren, wird nicht erläutert. Die Sitzungsunterlagen für den Gemeinderat sind kopiert, mit unleserlichen Buchungsnummern versehen.

Groß steht hingegen „Kassenwirtschaftliche Beträge“ auf dem Titel. 171 200 Euro in einer Spalte, 19 130 in der hinteren Ecke. Irgendwie ergeben die Zahlen ein Plus. 21 900 Euro Gewinn verspricht Göhrig als Resultat daraus für das kommende Jahr.

Hinterher gibt es noch eine kleine Diskussion um Greenpeace, um Zertifizierung, um Borkenkäfer und Ökologie. Und auch, dass Göhrig wieder mehr Nadelholz anbauen wird.

Es folgt die Abstimmung des Gemeinderats. Einstimmig. Für das Zahlenwerk des Försters.

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