Vom "Steinernen Kreuz" in Jestetten aus ist einer der möglichen Standorte für ein Atommüll-Lager gut zu sehen. Bild: Hüfner
Vom „Steinernen Kreuz“ in Jestetten aus ist einer der möglichen Standorte für ein Atommüll-Lager gut zu sehen. Bild: Hüfner

Region Klettgau/Jestetten (PM/red) Als in den 1960-er-Jahren die ersten deutschen Kernkraftwerke geplant wurden, war klar, dass nach einer Abklingzeit von einigen Jahrzehnten ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gebraucht würde.

Aufgrund der geologischen Voraussetzungen in Deutschland galt die Einlagerung in Salzstöcken als aussichtsreichste Option. Es herrschte große Zuversicht, innerhalb weniger Jahrzehnte ein Endlager in Betrieb nehmen zu können. Als Standort wurde schon damals Gorleben vorgeschlagen. Als Prototyp für das Endlager und zur Klärung der noch offenen technischen Fragen erwarb die GSF (Gesellschaft für Strahlenforschung) 1965 im Auftrag des Bundes das soeben stillgelegte Bergwerk Asse II.

Obwohl bereits die Problematik von eindringendem Wasser bekannt war, Kläger aber vor Gericht mit ihren Bedenken gescheitert waren, wurde das Bergwerk Asse II als trocken und für geeignet zur Einlagerung von radioaktiven Abfällen erklärt.

Dies war ein großer Irrtum. Heute werden in Asse täglich etwa 12 000 Liter Salzlauge abgepumpt. Die eingelagerten Abfälle müssen wieder zurückgeholt werden. Seit 2012 ist bekannt, dass diese nicht vor 2036 geborgen können und bis dahin rosten die Fässer mit den radioaktiven Abfällen unbeaufsichtigt vor sich hin.

Das Asse II – Desaster: Welche Lehren müssen wir für uns aus den bisherigen Erfahrungen ziehen? Auf was müssen wir als potentielle Endlagerregion achten, dass es bei uns nicht auch zu einem ähnlichen Desaster kommt?

Die Situation in Asse ist nicht mit der Situation in der Schweiz vergleichbar. Und doch hat die Asse in Deutschland gezeigt, wie schnell aus einem vermeintlich sicheren Endlager (-konzept) ein Fiasko wird und dass ein Versagen und Ignorieren der Warnungen katastrophale Auswirkungen haben kann.

Die Gemeinde Jestetten ist durch ihre Grenzlage von drei potenziellen Standorten für ein Schweizerisches Atommüllendlager „umzingelt“. Diese Betroffenheit gab den Anlass, die Bürgerinitiative „Hochrhein Aktiv“ zu gründen, um das Schweizer Sachplanverfahren geologische Tiefenlager kritisch zu begleiten.

„Hochrhein-Aktiv“ informiert die Region ergänzend zu der sehr einseitigen Darstellung durch die Schweizerische Nationale Genossenschaft für die Entsorgung radioaktiven Abfalls (Nagra) und vertritt die Gemeinde Jestetten im Partizipationsverfahren durch seine Mitgliedschaft in drei Regionalkonferenzen und die Mitarbeit in den Fachgruppen Sicherheit und Oberflächenanlagen.

Für die diesjährige Informationsveranstaltung am 8. November um 20 Uhr in der Jestetter Gemeindehalle hat „Hochrhein-Aktiv“ zwei in der Atommüllentsorgung erfahrene Geologen aus Deutschland und der Schweiz eingeladen.

Der deutsche Geologe Jürgen Kreusch war von 1999 bis 2002 Mitglied des AkEnd (Arbeitskreis Endlagerstandorte) und ist seit 2008 Mitglied des Endlager-Ausschusses der Entsorgungskommission (ESK) des Bundesumweltministeriums.

Kreusch hat seit Ende der 1980-er-Jahre viel Erfahrung gesammelt mit der konkreten Durchführung von Deponiestandortsuchen und auch deren Bewertungen. Zusammen habe er mit einigen Kollegen schon seit dieser Zeit eine neue Standortsuche für ein Endlager für radioaktiven Abfälle in Deutschland gefordert und begründet, so Kreusch. Damals seien sie von bestimmten Personen dafür als „hirnrissig“ bezeichnet worden.

Referat Jürgen Kreusch: Asse II

• Was führte zu dem Desaster?
• Wie wurde in Asse Akzeptanz geschaffen – Was wurde der Bevölkerung mitgeteilt?
• Welche Lehren muss man aus der Asse ziehen?
• Rückholbarkeit ?

Der Schweizer Geologe Marcos Buser kennt als Mitentwickler des Schweizer Sachplans das Verfahren sehr genau. Er war Mitglied der KNS (Kommission für Nukleare Sicherheit), aus der er aber aus Unzufriedenheit mit dem bisherigen Prozessverlauf 2012 ausgetreten ist.

Referat Marcos Buser: Atommüllendlager in der Schweiz

• Wie ist das Schweizer Verfahren bisher gelaufen?
• Wie ist der Umgang mit warnenden Expertenmeinungen und Kritik?
• Wie wurde uns das Lager bisher verkauft?
• Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit es zu einem ehrlichen und glaubwürdigen Prozess kommt?
• Rückholbarkeit?

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