Technik und Helfer bei der Übung am Samstagnachmittag auf dem Eichberg. Bild: Hüfner
Technik und Helfer bei der Übung am Samstagnachmittag auf dem Eichberg. Bild: Hüfner

Region Klettgau/Dettighofen (hüf) Ein Großaufgebot an Feuerwehren aus dem östlichen Kreisgebiet kam am Samstag zur Raumschaftsübung im Dettighofer Ortsteil Eichberg zusammen.

Etwa 75 Minuten lang zeigten sie, wie ein Brandeinsatz abläuft. Übungsobjekt waren das Hofgut und die Pferdepension von Markus Schaub.

Dass Schaub sein Anwesen bereitwillig für die diesjährige Herbstprobe zur Verfügung stellte, liegt an seinen Erfahrungen in der Vergangenheit. Vor 14 Jahren brannte es in seinem Pferdestall.

„Ich hab´ schon ein Auge auf den Brandschutz“,

erklärte Schaub.

Auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Andreas Kuhnert bestätigt die Vorkehrungen. Der eigens angelegte Löschwasserbehälter mit seinem Inhalt von 50 Kubikmetern half erheblich mit, die Löschwasserversorgung zu sichern.

Die ersten Helfer kommen

Die Wasserversorgung gelang ohne Probleme. Bild: Hüfner
Die Wasserversorgung gelang ohne Probleme. Bild: Hüfner

Erst einmal ist es 14 Uhr. Der lange Schlauch der Zufahrtsstraße windet sich den Berg hoch, eingefasst von den Zäunen der Pferdekoppeln entlang des vielleicht vier Meter breiten Wegs.

Während Dettighofens Bürgermeister Gerhard Riedmüller zusammen mit Ira Sattler, Volker Jungmann, dem Raumschaftsvertreter Klettgau Matthias Stark aus Lottstetten und die Dettighofer Gemeinderätin Martina Thomas sich unterhalten, brausen immer wieder Fahrzeuge mit eidgenössischen Kennzeichen in und aus dem Ort, knapp an der Gruppe vorbei.

Bei Schaub, der dabei steht, klingelt das Mobiltelefon. Eine ältere Bewohnerin von oberhalb des Übungsobjekts berichtet ihm, es würde Rauch aus seinem Pferdestall aufsteigen. Das sei in Ordnung, beruhigt er sie, denn für die Übung ist eine Nebelmaschine angeworfen worden, die das Gebäudeinnere mit Rauch ausfüllen soll. Rauchschwaden davon verteilen sich über dem Anwesen.

Wie ein Uhrwerk

Ein wenig real muss die Übung sein. Kuhnert verweist später darauf, es gäbe schon große Unterschiede, wie solch ein Szenario statt findet. Ein gefüllter Schlauch sei erheblich schwerer zu handhaben, als der bei einer Trockenübung. Auch die Atemschutzträger werden das zu spüren bekommen, holen sich hochrote Köpfe. Seit das Befüllen ihrer Flaschen keine Weltreise mehr zu den Ladestationen erfordert, atmen sie deren Inhalt. Der Vorteil: Die Feuerwehrleute kennen die Tücken der Atemluftversorgung aus ständiger eigener Erfahrung.

Schließlich erscheint am Waldrand das Tanklöschfahrzeug der Dettighofer Wehr, passiert die Beobachter. Ihm entsteigen die ersten Uniformträger. Erkunden, Sammeln, Anweisungen erteilen und entgegen nehmen, Schnell sind Personen zu sehen, die mit Gerätschaften in beiden Händen rund um den Stall mit ihren Arbeiten beginnen.

Wie ein Uhrwerk erscheint das, was sich danach abspielt. Fahrzeug um Fahrzeug trifft ein. Manche sind gar nicht zu sehen. Die Drehleitern aus Jestetten und Klettgau schieben sich mit einem Mal über Dachfirste empor. Schläuche winden sich über Wiesen. Trupps der beteiligten Wehren sammeln sich an verschiedenen Stellen rund um die Gebäude.

Verstärkung würde bereit stehen

Funksprüche sind mitzuhören. Die stammen von der Einsatzleitung. Die hat sich in zwei Fahrzeugen eingerichtet, dokumentiert die Situation auf einer großen Tafel. Für den Ortsverein Jestetten-Lottstetten des DRK bleibt in dieser Phase nur die Rolle des Zuschauers.

Etwa 80 Personen sind schließlich in und rund um das Hofgut unterwegs, beschäftigt mit ihren Aufgaben. Dazwischen der Bürgermeister-Tross. „Das sind meine Jungs“, heißt es da schon mal ganz stolz, wenn untereinander gesprochen wird.

Drehleitern sind mittlerweile unentbehrlich, wenn es um Szenarien für die Brandbekämpfung geht. Bild: Hüfner
Drehleitern sind mittlerweile unentbehrlich, wenn es um Szenarien für die Brandbekämpfung geht. Bild: Hüfner

Als es dann wirklich richtig nass wird, wird Schutz gesucht. Im Windschatten oder später unter dem Dachvorsprung. Und Wasser kommt reichlich. Kuhnert hatte eine Woche zuvor die Hydranten in Augenschein genommen, war eher der Ansicht, das Versorgungsnetz würde vielleicht nicht ausreichen.

Die Übung zeigt, dass doch ganz ordentlich gelöscht werden kann. Jungmann und Riedmüller überlegen gemeinsam, was es bei Bedarf noch für weitere Wasserentnahme stellen geben könnte. Von Bühl her kommend, ist eine Leitung der gemeinsamen Wasserversorgung beider Gemeinde vorhanden. Das Diffizile dabei ist nur, dass hier eine Schlauchleitung bergauf mit mehreren Pumpen aufgebaut werden müsste. Das braucht zusätzliche Kräfte. Vielleicht aus Tiengen, Waldshut.

Personenrettung vorrangig

Längst ist das Feuerwehrpersonal in einer Art Routine. Die Technik funktioniert, die wichtigen Positionen sind abgedeckt. Im Stall begeben sich schließlich Atemschutzträger in die trotz Nebel noch gut sichtbaren Winkel, öffnen Türen, blicken hinter Verschläge.

Langsam zeichnet sich ab, dass der von Dettighofens Kommandant Patrick Hartmann ausgearbeitete Plan für die Übung einen eher wenig überraschenden Aspekt enthält: Auf dem Gelände werden Personen vermisst.

In dem angeblich vom Blitzschlag in Brand gesetzten Gebäude befanden sich laut dem Szenario Personen. Die sollten Atemschutzträger aufspüren und retten. Während Wasserkaskaden auf die Dächer niederprasseln, gehen zwei Trupps auf Personensuche. Versteckt unter Stroh finden sie einen Jungen, der ansonsten bei der Jugendfeuerwehr mit dabei ist. Auf einer Empore müssen sie sich durch Drahtrollen kämpfen, bis auch hier eine Person zum DRK für die weitere Versorgung gebracht werden kann.

Begegnung schafft Miteinander

Die Rettung von Menschenleben gehört zu den ersten Aufgaben der Feuerwehr. Bild: Hüfner
Die Rettung von Menschenleben gehört zu den ersten Aufgaben der Feuerwehr. Bild: Hüfner

„Übung beendet“, tönt es schließlich aus den Funkgeräten. Klaus Meier von der Führungsgruppe, der das durchgibt, klingt fast erleichtert. 70 Minuten sind vorbei. 70 Minuten, die diesmal ohne die psychische Belastung abliefen, die ein wirklicher Einsatz für alle Beteiligten bedeuten würde.

Was aber genauso dazu gehört, ist die abschließende Besprechung. Die findet dann im Gerätehaus in Dettighofen statt. Mit einem gemeinsamen Essen. Das muss sein, wie der stellvertretende Kreiskommandant erklärt: „Wenn man sich kennt, schafft man besser miteinander“.

 

Die Raumschaftsübung im Bild

© alle Bilder: Hüfner

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