Umbauarbeiten an der Klosteranlage im August. Bild: Hüfner
Umbauarbeiten an der Klosteranlage im August. Bild: Hüfner

Rheinau/Jestetten (hüf) Als Lobbyist bezeichnet zu werden, das ist fast schon so schlimm, wie Journalist.

Thomas Held könnte das wissen. Der Familiensoziologe kämpfte 1968 an vorderster Front in Zürich. Er kämpfte damals auch gegen die Ideale eines Christoph Blocher, dessen Großstiftung „Schweizerische Musikinsel Rheinau“ er heute als Geschäftsführer vertritt.

Von 1983 an lancierte er die „Blick für die Frau“, mischte bei der Swatch mit und Mitte der 1990-er fast ein Jahr bei der Badischen Zeitung. Was ihn aber anscheinend qualifizierte, dieses Prestigeprojekt zu leiten, ist seine erfolgreiche Arbeit für das Kultur- und Kongresszentrum Luzern.

Solch einen Referenten bei einer Hauptversammlung als Gastreferenten aufbieten zu können, rechtfertig es, die Regularien kurz und schmerzlos abzuhandeln. Der Kulturkreis Jestetten und Umgebung genoss es fast spürbar, den bisherigen Vorstand einstimmig zu bestätigen, die Tagesordnungspunkte konzentriert abzuarbeiten.

Was auf der anderen Uferseite auf der eidgenössischen Klosterinsel gerade passiert, ist beeindruckend. 20 Millionen Schweizer Franken stellte der Magnat und SVP-Politiker Christoph Blocher bereit.

Musiker anstelle von Psychiatriepatienten

Die einst als Psychiatrieklinik genutzten Räumlichkeiten werden künftig als Seminarhotel mit Konzertsälen und Übungszimmern einem ganz anderen Klientel zur Verfügung stehen. Einem, das für das frisch renovierte Ambiente Wertschätzung mitbringen dürfte.

Eines ist klar. Die Stiftung „Schweizerische Musikinsel Rheinau“ hat ganz und gar nichts mit Musikförderung zu tun. Das betonte Held bei seinem Vortrag. Vielmehr geht es a) um den Erhalt des Gebäudes und b) um die Wiederbelebung der Klosteranlage.

Blochers Wurzeln liegen in Schaffhausen und er fühle sich mit dem Kloster verbunden, erklärt Held. Den Jestettern geht es fast gleich. Sie fragen später, ob sie künftig noch das Spitzkirchlein beim Spaziergang ohne Hindernisse besuchen dürfen. Laut Held: Ja.

Kein Telefon im Zimmer

Künftig begegnen sie dann wohl Chormitgliedern, Blasmusikern, Weltmusikern. Nur nicht Rockmusikern. Das macht das alte Gemäuer dann doch nicht mit. Die Erschütterungen der Bässe würden die Deckenkonstruktion überfordern, erklärt der Geschäftsführer. Zudem richte sich das Angebot an ambitionierte Laien, Teilzeit- und Profi-Musiker. „Alle können kommen“, korrigiert sich Held gleich wieder. Eines werde die Einrichtung nicht sein: Ein Ort für öffentliche Konzerte.

Konservatoriumsatmosphäre verspricht er, Musik aus den Räumen des Klostertrakts, der belegt wird. Pianos unterschiedlichster Provenienz, jedoch kein Konzertflügel. Akustisch top ausgestattet, aufnahmetechnisch minimalistisch, so das Konzept. Tagungsgruppen sind fehl am Platz, wenn sie hochgezüchtete Beamer und andere Gadgets erwarten.

Minimalismus auch bei der elektronischen Ausstattung der Zimmer. Kein einziges werde ein Telefon besitzen. W-Lan nennt er als Stichwort, und forcierten Handy-Empfang.

63 Zimmer mit 120 Betten, 40 Buchungen für 2014 – Zahlen hat Held genügend parat, die sich leicht niederschreiben lassen. Dass mit 700 000 Schweizer Franken Minus im kommenden Jahr gerechnet wird, dass 250 000 Schweizer Franken Miete jährlich anfallen, die der Kanton Zürich erhält. – geschenkt! Blochers Stiftung steht für 500 000 Schweizer Franken Defizit im Jahr ein. Mehr ist nicht.

Werbung bislang nur im der Deutschschweiz

Und darum darf dann gar gegen Abend auch ein verirrter Wanderer auf Aufnahme hoffen. Darf in das gegen 100 Schweizer Franken kalkulierte Einzelbett als Nachtlager sinken. Abgesprochen sie das mit dem Schaffhauser Tourismus.

Gewünscht ist es nicht. Gruppen sollen die Klostermauern ansteuern. Dazu gab es Werbeaktivitäten. Belegt sind inzwischen viele Wochenenden. Nur unter der Woche hakt es. Held ist zuversichtlich. Preislich liege das Projekt hinter den bestehenden Angeboten. Warum also sollte eine Gruppe nicht die Rheinauer Räumlichkeiten samt Gastronomie nutzen wollen.

In der Deutschschweiz hat sie mit Telefonakquise viel erreicht. Im nächsten Jahr ist erst ein Mal am 24. Mai Eröffnung mit geladenen Gästen und Tag der offenen Tür. Der Mietvertrag reicht 15 Jahre weiter – und ist unkündbar, erzählt Held.

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