Ansicht im August auf die Räumlichkeiten der ehemaligen Rheinauer Klosteranlage vom Fluss aus, die künftig für das Projekt Musikinsel genutzt werden. Bild: Hüfner
Ansicht im August auf die Räumlichkeiten der ehemaligen Rheinauer Klosteranlage vom Fluss aus, die künftig für das Projekt Musikinsel genutzt werden. Bild: Hüfner

Jestetten/Rheinau (hüf) Warum leitet ein deutsches Gastronomenpaar künftig die Hotellerie der „Musikinsel Rheinau„? Ganz einfach: Weil keiner der Schweizer Bewerber in dem gut 1 300 Einwohner-Dorf wohnen wollte!

Stirnrunzeln dürfte das beim SVP-Politiker Christoph Blocher nicht unbedingt auslösen, der die mit 20 Millionen Schweizer Franken dotierte Stiftung ins Leben rief. Alleine schon, dass er mit Thomas Held einen Geschäftsführer für das Projekt einstellte, der als Alt-68-er in Zürich als Studentenführer wirkte, kündet von Pragmatismus.

Mehr wird diese Entscheidung für ein deutsches Gastronomenpaar aber bei der Anhängerschaft des Rechtspopulisten für Aufregung sorgen.

Schweizer wollen pendeln – Deutsche als Prügelknaben

Vergangene Woche stürzte unweit des Vierwaldstättersees ein F/A-18-Kampfjet ab und zwei Menschen verloren dabei ihr Leben. Wie sich heraus stellte, war außer dem Schweizer Piloten noch ein deutscher Militärmediziner mit im Cockpit gesessen.

Flugs nutzte das Blochers SVP, um auf der Welle des Deutschen-Bashings Punkte für die „Initiative gegen die Masseneinwanderung“ zu sammeln. Die Online-Kommentarspalten der großen Schweizer Zeitungen quellen seitdem wieder einmal über von gehässigen und deutschenfeindlichen Äußerungen.

Die Kommentatoren (seltenst sind es Frauen) hacken darauf herum, welche Wohltaten vor allem die Zugezogenen aus dem „Großen Kanton“ in der Schweiz genießen dürfen.

In diesem Fall ist es eine Dienstwohnung in einer idyllischen ehemaligen Klosteranlage. Für die historische Immobilie wollte sich am internationalen Markt partout kein Interessent erwärmen. Ebenso ließ die eidgenössischen Hotelleriekräfte, auf die das Land so große Stücke hält, die neue Aufgabe kalt. Lieber in Winterthur wohnen, und dann nach Rheinau pendeln, war da als Wunsch zu hören.

Geschäftsführer Held baut auf „lokale Hilfskräfte“

Das jedenfalls kolportierte Held in einer Veranstaltung in Jestetten beim Kulturkreis. Die Einwohner der Gemeinde auf der anderen Rheinseite verfolgen das Treiben rund um die Immobilie des Kantons Zürich seit Jahren interessiert.

Als Geschäftsführer wollte Held den Job nicht mit einem Hoteldirektor besetzten, „der promeniert, sondern mit jemandem, der anpackt“. Darum entschied er sich für das deutsche Ehepaar, das zuletzt ein Systemhotel leitete. Als dessen Einzugstermin in der Klosteranlage nannte er den Januar 2014.

Abzusehen ist auch, dass die „lokalen Hilfskräfte“, die in der von Held gezeigten Kalkulation auftauchen, wohl von „ennet em Rhii“ stammen werden. Schließlich sind das keine gut entlöhnte sichere Arbeitsplätze, sondern das Hilfspersonal soll dann kommen, wenn das Musikerhotel mit seinen Übungsräumen tatsächlich belegt ist.

Das personelle Konzept dazu gleicht also einer Blaupause dessen, was in den Jahren der christliberalen Regierung in Deutschland zum Standard wurde.

Deutsche passen ins Konzept

Damit nicht genug des Plagiats. Held räumte ein, dass er sich die Landesmusikakademien in Deutschland genau angesehen hat. Konkret nannte er die des Landes Baden-Württemberg in Ochsenhausen, die im Vorfeld des Projekts „Schweizerische Musikinsel Rheinau“ besucht worden sei.

Dass da ein deutsches Gastronomenpaar ganz gut ins Konzept passt, ist nachvollziehbar: Einerseits als Ideenfinder für den Wirtschaftsbetrieb, andererseits als Buhmann für die weitere SVP-Politik.

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