Ähnlichkeiten durchaus beabsichtigt. Bild: Hüfner
Ähnlichkeiten durchaus beabsichtigt. Bild: Hüfner

Grießen (hüf) Wer ist Heiner Meyer? Wenn die Klettgau-Galerie zu einer Vernissage mit dieser Person einlädt, dann ist im eher rustikal geprägten Landstrich zwischen Schaffhausen und Basel klar, dass es sich um einen hochkarätigen Künstler handeln muss.

Da spielt es auch keine Rolle, wenn er samt Begleitung unter dem Vernissagenpublikum nicht wirklich auffällt. Irgendwie ist jeder inkognito mit dabei, wuseln selbst Kinder durch das Foyer, während Geschäftsführerin und Kuratorin Katharina Lutter das Publikum in das Werk des Bielefelders einführt.

Der berühmte Pinselstrich

Ganz profan hängen da die großformatigen Werke an den Mauern und Stellwänden, zumeist in freundlicher hellblauer Grundierung. Immer wieder runde Blasen und Bläschen, dazu plätschernde Konversation. Der Gedanke an Badefreuden kommt auf. Ein Tag im Hallenbad, jenseits der Landesgrenze. Farbenfrohe Werbewelten mit Helvetica-Schriftschnitten, dazu immerfort lächelnde Schönheiten aus den Objektiven von Großformat-Fotoapparaten verfolgt.

Und irgendwie sind sie das auch. Lutter nennt sie „gemalte Collagen“, verrät den Produktionsablauf. Ausschnitte aus Hochglanzmagazinen dienen als Vorlage, werden komponiert, übermalt, verändert. Heraus kommen auf den ersten Blick verblüffend fotografisch wirkende Ölbilder, bei denen sich die Frage aufdrängt, ob es vielleicht nicht ausgereicht hätte, eine Fotografie anzufertigen und sie auf Leinwand zu übertragen.

Nein! „Am Computer ist das so nicht zu machen“, sagt Meyer später im Interview. Der Farbkanon sei ein ganz anderer. Außerdem gehe es ihm darum, dass die Betrachter sehen, „dass es Malerei ist“. Der berühmte sichtbare Pinselstrich. Hinzu kommt seine Absicht, die Materialien, die er auf den Bildern zusammen führt, zu deuten.

Die moderne Gangschaltung

Wer Meyer so mitten unter den Vernissagebesuchern stehen sieht, kommt nicht unbedingt darauf, dass er  mit seinen Bildern durchaus Witz verbreitet. Es sind so einige Brüche, bei denen sich nicht gerade im ersten Moment, aber bei genauerer Betrachtung, Hintersinniges andeutet. Macht sich da der Künstler über sein Publikum lustig, sind es zufällige Irritationen?

Da ist ein weibliches Sujet auf dem Fahrrad. Gespreizte Beine, die fast nackten Füße gerade noch am Rand des Bilderrahmens. Die Wirkung fatal! Stürzt sie in das Geschehen? Wartet hier ein Zwischenfall, der das Premierenpublikum kurz unterhält?

Was wie eine Ikone aus der Waschmittelwerbung vielleicht schon der 1930-er-Jahre wirkt, wie das Werbeplakat eines 1950-er-Films daher kommt, sitzt auf einem Velo, das barbie-pink mit einer modernen Gangschaltung ausgerüstet ist.

Das Original ansehen

Fast in den Hintergrund rückt dabei, dass von Meyer in der Klettgau-Galerie noch Skulpturen stehen. Überdimensioniert eine metallen-rostige Handtasche, dazu zwei playboyhafte Girls aus Bronze, die darauf warten, etwa einen Schreibtisch zu zieren.

Sie wirken genau so fremd wie der Künstler in dem Klettgauer Ambiente. Der berichtet, sein Atelier in einer ehemaligen Eisengießerei sei ähnlich groß, wie die Galerie. Toll sei es, dass hier auf dem Land jemand das initiiert, meint damit  die Galerie, die Ausstellung, die Kunst. „Vor ein Bild zu treten, es im Original anzugucken, hat einen anderen Reiz“, hält er den Neuen Medien entgegen. Das lässt sich dann auch so interpretieren: Besucht die Klettgau-Galerie!

Klettgau-Galerie

Industriestraße 6, 79771 Klettgau-Grießen,
Email: info@klettgau-galerie.de,
Telefon 07742/922 8406
Öffnungszeiten: Sonntag 14 bis 17 Uhr
und nach Vereinbarung

Die Vernissage

© alle Bilder: Hüfner

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