Konrad Schlude (links) und Gottlieb Brunner bei der Begrüßung. Bild: Hüfner
Konrad Schlude (links) und Gottlieb Brunner bei der Begrüßung. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Eine sich rasant verändernde Welt, gerade noch 60 Prozent der Bevölkerung, die sich zum Christentum bekennt – was hat sich da getan?

Eine Zukunft, in der es keine Religion mehr gibt, oder sie an Bedeutung gewinnt, oder einfach ein Mischmasch von Beliebigkeiten, mit denen sich der Mensch die Grundfragen des Seins beantwortet?

Zwischen diesen Polen bewegte sich der Vortrag von Gottlieb Brunner beim Katholischen Bildungswerk in Jestetten, den Konrad Schlude organisiert hatte.

Gut 30 TeilnehmerInnen, darunter der katholische Pfarrer Richard Dressel und die evangelische Pfarrerin Sibylle Krause, versuchten heraus zu bekommen, wie ihrer Ansicht nach der christliche Glaube in Zukunft an die Kinder und Enkel vermittelt werden wird. Ob die dann noch Christen sein werden, lautete die provokante Frage.

Persönliches Erleben schwer zu beschreiben und vermitteln

Wirklich bange war es den allermeisten Teilnehmern da nicht. Selbst ohne die Vermittlung christlicher Werte würde der Nachwuchs diese achten und sich daran orientieren.

Ganz so einfach ist das im Detail dann doch nicht, so jedenfalls die Ergebnisse der Diskussion in insgesamt fünf Gruppen, die ein Teil des Vortragsabends bildeten. Nachhaltig Leben, Niemandem mit Konsum schaden, Kindern Werte vermitteln, lautete ein Ergebnis. Ein anderes, den persönlichen Gottesbezug im Gebet und der Gemeinschaft leben. Vielleicht, das wurde deutlich, seien diese Werte gar nicht alleine auf das Christentum beschränkt, sondern auch in anderen Religionen gegeben. Und was ist damit, wenn das persönliche Erleben des Glaubens schwer zu beschreiben und vermitteln ist?

Wer feiert in Zukunft den Gottesdienst mit?

Für Brunner lautete das Fazit: „Gegen den Wind leben“, sehen, dass etwas Neues in Kindern und Enkeln wächst, sich in Zuversicht üben. Belegt hatte er das bereits im ersten Teil seines Vortrags, in dem er aufzeigte, wie seit 1945 in drei Etappen ein enormer Wandel vonstatten ging.

Bis 1969 dauerte die am bäuerlichen Jahreslauf angelehnte von Riten und Tradition bestimmte Glaubenshaltung und –ausübung.

Mit dem II. Vatikanische Konzil kam der Aufbruch in der katholischen Kirche, den in der Gesellschaft eine Generation einforderte, die Mitbestimmung wollte und Fragen stellte. Und dann war da noch ein Buch: „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome, das ins Bewusstsein rückte, die Ressourcen der Erde sind endlich.

Seit 1989 beobachtet der Freiburger Theologe eine „Auswahl-Religion“, geprägt von Esoterik, „New Age“. „Sich das religiöse Menü selbst zusammen stellen“, charakterisierte er dies.

Ob dies der richtige Weg ist, stand für einige der Zuhörer in Frage. Auch, ob in 20, 30 Jahren noch jemand den Gottesdienst in der Kirche mit feiern wird, oder ob dann „der friedliche Islam uns aufgefressen hat“, wie es einer der Teilnehmer formulierte.

 

Gottlieb Brunner (66) ist Doktor für Theologie und war lange Jahre unter anderem in der Theologenausbildung von Laien tätig. Der Vater von zwei erwachsenen Töchtern stammt aus Rheinfelden-Herten und lebt heute in Freiburg.

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