Sie sind die "Engelscheune" in Lottstetten. Bild: Hüfner
Sie sind die „Engelscheune“ in Lottstetten. Bild: Hüfner

Lottstetten (hüf) Es scheint, dass sich in der Gemeinde Lottstetten die richtigen Personen zusammen gefunden haben. Genauer in der historischen „Engelscheune„, die sich nach längerem Dornröschenschlaf jetzt zu einem Brennpunkt im örtlichen (Geschäfts-) Leben entwickelt.

Metzgerei, Videothek, Drogeriemarkt, Installateur und Zahnarzt – die Liste der Nutzer ist lang, die hier in den letzten 30 Jahren ihr Glück versuchten, sich in der damals von einem Schweizer erworbenen und restaurierten Potskutschenstation nieder ließen und wieder gingen.

Damals befand sich das stattliche Haus noch mitten im bereits spärlich pulsierenden Ortszentrum. Bank, Post, Tankstelle – die sind verschwunden, dafür mittlerweile Discounter und Spielcasinos im Unterdorf präsent. Die „Engelscheune“ bedeutet heute fast schon Peripherie, wären da nicht Rathaus, Mosterei Abend, Obstbau Henes oder das Bistro Holzscheiter.

Wolfgang Minard (links) mit seinen Gästen vor der imposanten Theke. Bild: Hüfner
Wolfgang Minard (links) mit seinen Gästen vor der imposanten Theke. Bild: Hüfner

Der Blick auf die Parkplätze vor und neben dem Gebäude erzählt aber, wie stark das Angebot hier lockt. Ein Angebot, das in der Form erst in diesem Jahr besteht, was die Beteiligten in dieser Zeit mit viel Engagement aufgebaut haben.

Da ist einmal Wolfgang Minard. Er lebte 17 Jahre auf Teneriffa, wo er zunächst die „Bodega zum Hägar“, dann das „Alt Frankfurt“ und schließlich das 300 Quadratmeter große In-Lokal „Serveceria alemana“ führte. Heute ist es seine „Engelscheune„.

„Lottstetten, das war Zufall“, erinnert er sich noch, als er auf der Suche nach Räumlichkeiten für ein neues Lokal war. Ihm gefiel das Gebäude, er sah die Möglichkeiten, die es bot. So kümmerte er sich um die Renovation der Fassade, baute um, installierte eine originelle hölzerne Theke, die es nicht von der Stange gibt. Vorne Tapas-Bar, hinten bayrisch-schwäbische Karte, ist sein Erfolgskonzept.

Dann sind da Claudia und Martin Schwarz, er Koch, sie Einzelhandelskauffrau, die bis zum 19. April die „Linde“ betrieben, dazu den gleichnamigen Catering-Service. Gut etabliert seien sie damit schon vor dem Brand gewesen, berichten sie. Die frühere Küche der „Engelscheune“ ist ihr Arbeitsplatz. Seit Schuljahrsbeginn kümmern sie sich um den Mittagstisch für die Schülerinnen und Schüler in Jestetten, die an der Ganztagesbetreuung Teil nehmen.

Der Koch Martin Schwarz in der Küche seines Catering-Service. Bild: Hüfner
Der Koch Martin Schwarz in der Küche seines Catering-Service. Bild: Hüfner

Der Stammtisch ihres Lokals, der „Linde“, besteht zwar nicht mehr. Irgendwie hat der Verlust aber im Ort für Veränderungen gesorgt. Es treffen mit einem Mal Menschen an ganz anderen Orten, in anderen Lokalitäten, zusammen, die schon lange Jahre nicht mehr gemeinsam ein Viertele, ein Bier bei gemeinsamen Gesprächen tranken.

Und Daniel Jünger gehört mit zu den Akteuren, der mit der Bäckerei, die den Familiennamen trägt, ebenfalls von jenem verheerenden Brand im Lottstetter Ortszentrum betroffen war.

Es ist eine Verkaufsstelle, ein bislang zurückhaltend ausgestatteter Raum, wie Jünger sagt. Doch es gibt Stühle, Tische, Küchenbord, die zum Verweilen bei Gipfeli und Schümli einladen. Es gibt die ganze Palette der Produkte, wie auch im derzeitigen Hauptgeschäft in Jestetten.

Dann ist da noch der ortsansässigen Werbe- und Internetfachmann Uwe Buchter, der die Vision von Kooperation verfolgt, bei der alle Beteiligten von den Stärken der Einzelnen profitieren. Wie lange er ihnen damit in den Ohren gelegen ist, lässt sich nur erahnen.

Er spricht von „Neuem Wind“, der Einzug gehalten hat, bereits vor dem verheerenden Feuer. Am Stammtisch und an der Brötchentheke war er für seine Idee, das gemeinsame Dach für gemeinsame Aktivitäten zu nutzen.

Bäcker Daniel Jünger in der Besprechung mit einer Mitarbeiterin. Bild: Hüfner
Bäcker Daniel Jünger in der Besprechung mit einer Mitarbeiterin. Bild: Hüfner

Wenn Minard seine Übernachtungsgäste beim Frühstück bedient, serviert er Jüngers Brötchen. Schwarzens Küche kann um die Räumlichkeiten des Wirts erweitert werden, wenn sie Menüs für Großanlässe vorbereiten. Buchter lädt seine Geschäftskunden in das Lokal ein und kümmert sich um die Internetpräsenz.

Die nächste Aktion in der „Engelscheune“ ist das „Spanische Wochenende“. Es findet zwischen Freitag, 11. Oktober ab 17 Uhr, bis Sonntag, 13. Oktober, statt. Eine Gelegenheit, unbeschwert zu genießen. Mehr noch die Möglichkeit zu erfahren, was die „Engelscheune“ an Lebensart für Lottstetten und Umgebung bereit hält.

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