Wann er donnert, Gott behüt, der Berg, der kennt ka Einseg'n nit. Bild: Hüfner
Wann er donnert, Gott behüt, der Berg, der kennt ka Einseg’n nit. Bild: Hüfner

Hohentengen/Jestetten (hüf) Es schallte ganz ordentlich „von der Höh“, das Alpendrama „Der Watzmann ruft“ in Hohentengen.

Über 40 Jahre hat es auf dem Buckel, das nicht mal 45 Minuten dauernde Konzeptalbum von Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz.

Und es gibt tatsächlich noch Menschen, die es bis am Samstag nicht kannten. Aber nicht nur sie erlebten bei der Aufführung in der Gemeindehalle gut drei Stunden berglerische Folklore, die so von Klischees troff, dass es ein Vergnügen war zuzusehen, wie sich diese in Karikatur und pures Lebensglück wandelte.

Schon alleine der Anblick der Lederhosen tragenden, in Dirndl gewandeten Gäste des zweiten Abends der Aufführung, gab einen Vorgeschmack darauf, wie aus dem eher biederen Album inzwischen ein Kult wurde.

Der Sportclub Hohentengen hatte nicht nur sich damit eine Gefallen getan, die Truppe „Auffi muasi“ zu engagieren, die in Jestetten probt, sich aber inzwischen aus Akteuren aus der ganzen Region Klettgau zusammen setzt.

„Seids alle da?“ begann das Spektakel, mauserte sich zu einer witzbehafteten Abfolge von Szenen, die immer wieder dazu einluden, mitzumachen. Ein Teil des Publikums war in der Lage, ganze Passagen ohne Notenblatt mitzusingen. Klatschen, Schunkeln – geschenkt. Das wollten sowieso alle Beteiligten auf der Bühne, alle auf den Plätzen im Saal.

Ein paar Einspielungen aus der Konserve gab es, wenn die Nähe zum Original gewünscht war. Ansonsten hatten die sieben Musiker, die sich in einer Ecke der Bühne drängten, freien Pfad zum Gipfel.

Papa mit dem Kurzen erklimmt den Watzmann Bild: Hüfner
Papa mit dem Kurzen erklimmt den Watzmann Bild: Hüfner

Den nutzten sie, zeigten, wie E-Gitarren, Akkordeon oder der Bass aus dem Blasorchester manchmal mit und ab und zu ohne Akteure auf der Bühne eine Geschichte erzählen und illustrieren können.

Wenn sich dann auch noch in den Texten die Hohentengener wiederfanden, die Bewohner des Bohnenviertels direkt angesprochen wurden, atmete die ganze Show. Atmete Alpenluft ein, verbreitete im tiefsten Alemannien so etwas wie Heimatgefühl und Verbundenheit, die in der Geschichte der Menschen am Fuße eines Berges gipfelte.

„Wie schallts von der Höh?“ Die fluglärmgeplagten Hohentengener mögen es im ersten Moment ganz rustikal aufgenommen haben, denn schließlich hatten sie als Bühnenbild den Watzmann direkt vor der Nase.

Auch die unbändige Neigung, sich gegen alle Vernunft dem langen Weg auszusetzen, dem Geheimnis des Massivs entgegen zu gehen, sie scheint wie eine Analogie.

Sowieso war der Watzmann einfach ein professionell dargebotenes Stück Unterhaltung, das den Besuchern die Gelegenheit bot, ungezwungen den Blick zurück auf vermutlich bessere Zeiten zu richten. Zeiten, in denen es noch einfacher war, Liedtexte zu behalten.

Zeiten, in denen ländliche Veranstaltungen durch engagierte Tanzkapellen erst ihren tatsächlichen Reiz bekamen. Einen Unterschied gibt es auf jeden Fall: Wo früher auf den Holzdielen getanzt wurde, sind es heute Bühnenbretter, auf denen sich den Watzmann-Tänzerinnen zuschauen lässt. Ganz so weit liegen die Generationen also doch nicht auseinander.

 

Einige Bühnenszenen der Aufführung am Samstag:

© alle Bilder: Manfred Hüfner

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