Ein Schachtdeckel der Volkenbachstraße in Jestetten. Bild: Hüfner
Ein Schachtdeckel der Volkenbachstraße in Jestetten. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Gemeinderat Konrad Schlude hört es klappern. Keine Mühle, sondern Schachtdeckel.

In der Sitzung des Gemeinderats Jestetten am Donnerstag bekannte er sich zu einem Phänomen, dem auch schon andere Kollegen temporär verfielen. Ob defekte Straßenlampen, falsch dimensionierte Bordsteine, ausgefahrene Feldwege – landauf, landab entwickeln Ratsmitglieder Fähigkeiten, einmal entdeckte Mängel überall wahrzunehmen.

Das hat keineswegs pathologische Züge. Es ist eine Fähigkeit der gewählten Bürgervertreter, die Anliegen ernst zu nehmen, die an sie in Gesprächen auf der Straße oder zwischen Tür und Angel heran getragen werden. Auf ein Mal werden sie zu Experten in einer Angelegenheit, die zuweilen kurios anmutet, den Alltag der Betroffenen aber äußerst negativ prägt.

So wie in der Einmündung der Schwarzwaldstraße in die Hombergstraße. Da klappert es jedes Mal, wenn ein Auto über einen Kanaldeckel fährt.

Es scheppert bei geöffneter Haustüre, es rumpelt im nächstgelegenen Zimmer, es klingelt im Garten. So jedenfalls nehmen die geplagten Anwohner solche Situationen wahr.

Schlude stellte fest, dass nicht nur der Schachtdeckel defekt war, sondern auch dessen Unterbau. Also wandte er sich an die Gemeinde, teilte es mit. Und wartete. Als Gemeinderat in der Bringschuld, näher an der Verwaltung, selbst sich verantwortlich sehend, änderte sich dennoch nichts. Gar nichts!

Also fragte er nun in der Gemeinderatssitzung nach. Bauamtsleiter Oliver Roller beschied ihm, er wisse um die Kanaldeckel-Klapperei: „Das gibt es immer wieder“.

Auf die leichte Schulter nimmt er das nicht, nimmt es das Jestetter Bauamt nicht. Es ist nur so, dass es Asphaltarbeiten sind, die das Geklapper abstellen können.

Ein paar Schaufeln qualmenden Teers genügen, ordentlich verarbeitet, um für Ruhe in der Hombergstraße und anderswo zu sorgen. Nur die Kosten! In der Kreisstadt soll das Asphaltwerk stehen. Die Schubkarre voll verarbeitungsfähigen Teers ist abgekühlt, bis sie in Jestettens Hombergstraße angelangt ist.

Also sammelt Roller diese Kleinstmeldungen. Saarstraße, andere Straßen – immer wieder mal klingeln Kanaldeckel, gibt es ein längeres Straßenstück zu teeren. Dann, so verspricht er Schlude, wird alles besser.

Der Thermowagen aus dem Asphaltwerk kommt, lädt ab, bringt verarbeitungsfähiges Baumaterial und das zu Konditionen, die seinen Kollegen aus der Kämmerei nicht in Schnappatmung versetzt.

Es ist geklärt, Schlude zufrieden, die öffentliche Sitzung des Gemeinderats könnte geschlossen werden. Dann erwähnt ein Ratsmitglied, dass im Seeweg fünf Straßenlaternen nicht leuchten.

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