Detail einer Präsentation für den Jestetter Gemeinderat vom vergangenen Donnerstag. Bild: Hüfner
Detail einer Präsentation für den Jestetter Gemeinderat vom vergangenen Donnerstag. Bild: Hüfner

Region Klettgau (hüf) Ist sie das, oder nicht? Hat die NSA (National Security Agency; deutsch: Nationale Sicherheitsbehörde) der Amerikaner jetzt auch die Verwaltung in Jestetten infiltriert?

So plump verhalten sich nicht einmal Geheimdienste. Das Logo NSA in der Leiste der Computerprogramme anzuzeigen, wenn gerade ein Bebauungsplan in der Sitzung des Gemeinderats gezeigt werden soll, das verbietet sich eigentlich von selbst.

Dennoch: In Jestetten ist bei Beratungen zu Bauanträgen das kleine Logo mit den Buchstaben N-S-A ein alter Bekannter. Die Recherche nach den Ursprüngen dieses Akronyms fördert Erstaunliches zu Tage.

Das Internet nutzen

Wer bislang glaubt, seine Telefonate, Briefe oder Warensendungen würden vor amerikanischem Datenhunger verschont bleiben, hat das etablierte Überwachungssystem noch nicht verstanden.

Nein, igitt, pfui-bäh – mein Bild nicht ins Internet! In den letzten Monaten häufen sich solche Reaktionen, wenn irgendwo in der Region an Veranstaltungen fotografiert wird, wenn es darum geht, Personen namentlich in Artikeln zu erwähnen.

Es ist so schnurzpiepegal, wie schon ein paar Monate oder Jahre zuvor. Selbst wer konsequent jedem Preisausschreiben widerstand, Payback-Karten ablehnte, seinen Telefonanschluss nur zum Telefonieren nutzte: Er ist mit Hilfe des Internets aufzufinden.

Die Realschule Jestetten listete irgendwann ihre Ehemaligen auf, stellte sie online. Samt den vorhandenen Bildern von Ausflügen, Landschulheim und Veranstaltungen. Wer die Homepage direkt ansteuert, findet davon nichts. Wer eine Suchmaschine benutzt, bekommt die Daten brav hier serviert.

Weltweit einsehbar

Die Gemeinde gab Wählerverzeichnisse, gab Daten an Parteien, für Einwohnerbücher, Firmenverzeichnisse heraus. Irgendwo liegen noch Exemplare davon herum. Sehen Sie doch mal im Keller oder auf dem Dachboden nach!

Aber Sie können sich den Gang sparen. Die allermeisten dieser Verzeichnisse sind mittlerweile digitalisiert. Will heißen, sie sind weltweit verfügbar.

Sie wollen wissen, wo in Altenburg früher der gesamte Müll des Ortes verbuddelt wurde? Kein Problem! Von 1954 gibt es einen Plan, der jeden Strauch der Bepflanzung samt botanischem Namen zeigt. Den Plan finden Sie hier.

Wer sah sich das Fußballspiel des SV Jestetten gegen den FC Dundee im Juli 1984 an? Die Bilder gibt es online hier.

Wer sucht, der findet

Sie interessieren sich für die dunklen Geheimnisse alteingesessener Familien im Ort? Schauen Sie hier. Da werden Personen aufgelistet, die Mitte des 19. Jahrhunderts ohne Erlaubnis in die Vereinigten Staaten auswanderten. Mit etwas Erfahrung lassen sich hier auch Prozessakten aus der Zeit des Nationalsozialismus finden und dann die Archivalien der Nachkriegszeit. Noch nicht online, doch mit Signatur und weiterführenden Informationen.

Vergrößerung des Logos. Bild: Hüfner
Vergrößerung des Logos. Bild: Hüfner

Ob die NSA im Jestetter Rathaus schnüffelt? Keinesfalls so offensichtlich, dass sie ihr Logo auf einem Rechner hinterlässt, der es in der Sitzung des Gemeinderats an die Wand projiziert.

Eine Recherche ergab, dass es sich schlicht um ein Programm handelt, das geografische Daten verarbeitet. „Normbasierte Austauschschnittstelle“ bedeutet das Kürzel und wer mehr darüber erfahren will, der kann sich bei einem schwäbischen Unternehmen Infos zu der Software samt dem abgebildeten Logo ansehen.

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