Zum vielfältigen Gemeindeleben der Katholiken in Jestetten und Umgebung gehört auch die Fasnacht. Bild: Hüfner
Zum vielfältigen Gemeindeleben der Katholiken in Jestetten und Umgebung gehört auch die Fasnacht. Bild: Hüfner

Jestetten (PM) Die katholische Seelsorgeeinheit Jestetten will ihre Struktur, ihre Leistungen und Ressourcen sowie ihre Außenwahrnehmung überprüfen und daraus Vereinbarungen für die Zukunft treffen.

„Es geht darum, unsere Kirchengemeinden weiter zu entwickeln und zukunftsfähig zu machen“, beschreibt der Leiter der Seelsorgeeinheit, Pfarrer Richard Dressel, das Freiburger Programm – LEVI – zur Visitation und Gemeindeentwicklung. LEVI steht für „Lernen, entwickeln, vereinbaren, inspirieren“ und soll die Kirchengemeinden dabei unterstützen, sich nicht nur Ziele zu setzen, sondern auch gemeinsam zu prüfen, wie diese Ziele zu erreichen sind. Für Pfarrer Dressel ist LEVI eine Art Kompass oder eine moderne Navigationshilfe für die Suche nach einer Zukunft für die Gemeinde. Als Kirche sind wir unterwegs und wollen dabei so viele Menschen wie möglich mitnehmen. Da braucht es von Zeit zu Zeit eine Standortbestimmung, um die Strecke weiter zu planen, sodann aufzubrechen und gut am Ziel anzukommen.

Das Projekt wird die Seelsorgeeinheit über längere Zeit beschäftigen, meint Roland Uhl, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Zunächst stellen wir ein Selbstbewertungsteam auf, das sich aus pastoralen Mitarbeitern, ehrenamtlich Tätigen und weiteren engagierten Personen zusammen. Dieses erarbeitet über einen mehrwöchigen Zeitraum einen Bericht. Anhand von zehn Qualitätskriterien werden dabei die wesentlichen Aspekte des Gemeindelebens beleuchtet und Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. Dazu gehören unter anderem die Fragen, wie christliche Werte vorgelebt und Glaubensinhalte weitergegeben werden können, aber auch, wie weit die Ökumene fortgeschritten und der Kontakt zu anderen Religionen etabliert ist. Hierbei wird überprüft, ob die vereinbarten pastoralen Ziele realistisch sind und auch, ob die Gemeinde wirtschaftlich und ökologisch plant und handelt. Nach einem festgelegten Zeitraum wir dann nochmals ausgewertet, ob und wie diese Ziele erreicht wurden. Danach beginnt der Zyklus von neuem. So vergewissern wir uns ständig, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind.

Anlass für das Gemeindeentwicklungsprojekt „LEVI“ sind die alle fünf Jahre vorgesehenen Seelsorgevisitationen. Diese Visitation nimmt die Seelsorgeeinheit in ihrer Gesamtheit mit allen ihren Einrichtungen, Gruppen und Verbänden und mit ihren angeboten und Initiativen in den Blick. Sie ist damit Hilfestellung dazu, die pastorale Situation der Seelsorgeeinheit und ihrer Gemeinde besser zu erkennen, so Pfarrer Dressel. Für alle, die hauptberuflich und ehrenamtlich Verantwortung tragen, liegt hier die Chance, die eigene Arbeit zu überdenken und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Die Visitation, zu der auch ein gemeinsamer Gottesdienst gehört, soll schließlich dazu dienen, die Gemeindemitglieder im Glauben zu ermutigen und zu stärken.

Das Freiburger Programm zur Visitation und Gemeindeentwicklung wurde auf der Basis des sogenannten EFQM-Modells (European Foundation für Quality-Management) entwickelt und lässt sich zur Standortbestimmung und Weiterentwicklung kirchlicher Gemeinden anwenden. Im Zentrum steht die Überprüfung des eigenen Tuns durch die Anwendung des sogenannten PDCA-Qualitätszirkels und die Auswertung von Ergebnissen der pastoralen Arbeit. LEVI wurde in einer Pilotphase in fünf Seelsorgeeinheiten erfolgreich eingesetzt und erprobt. Bis 2017 sollen im Erzbistum alle 225 Seelsorgeeinheiten nach diesem Modell visitiert werden.

Dr. Peter Zürcher, Referent für LEVI im Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg, erklärt dies so: Es geht um nicht weniger als die Zukunft der Gemeinde, darum wie die Gemeinde lebendig bleiben und als Ganzes sich weiter entwickeln kann. Von Gemeinde zu Gemeinde kann dies sehr unterschiedliche Dimensionen umfassen. LEVI lebt davon, dass sich Gemeinden über ihre Schwerpunkte verständigen und die aktuellen Herausforderungen in ihrer Pastoralkonzeption klar benennen.

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