Das Atelier "Die Schale" beteiligt sich an der Museumsnacht Hegau-Schaffhausen. Der Freischaffende Künstler Berthold Neumann öffnet dazu Werkstatt und Ausstellungsraum. Bild: Hüfner
Das Atelier „Die Schale“ beteiligt sich an der Museumsnacht Hegau-Schaffhausen. Der Freischaffende Künstler Berthold Neumann öffnet dazu Werkstatt und Ausstellungsraum. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Insgesamt fünf Jestetter Ateliers sind in diesem Jahr an der Museumsnacht Hegau-Schaffhausen am Samstag, 14. September, mit dabei. Eine davon ist „Die Schale“.

Berthold Neumann (55) kam 1996 nach Jestetten, „der Liebsten wegen“, wie er sagt. Der Freischaffende Künstler stammt aus Münster und studierte in München Kunst mit dem Schwerpunkt Keramik.

Seine Werkstatt hat er im früheren „Milchhüsli“ in der Volkenbachstraße 2. Mit im Gebäude ist auch die Galerie, in der er seine Arbeiten ausstellt und verkauft.

Allerdings treffen ihn Besucher dort nicht immer während der üblichen Öffnungszeiten von Dienstag bis Donnerstag von 14 bis 20 Uhr an. Jedes Jahr beteiligt er sich an rund 20 Märkten in Frankreich und Deutschland.

In Landsberg am Lech war er Ende Juni, wie schon in den Jahren zuvor. Eine Besonderheit dieses Töpfermarkts ist die Jurierung. Die Stadt kauft alljährlich jeweils ein hochwertiges Objekt der drei Bestplatzierten an – zum doppelten Verkaufspreis.

Nicht nur in diesem Jahr lag Neumann ganz vorne. Bereits zum dritten Mal belegte er den ersten Platz.

Es ist schön, den ersten Preis zu bekommen und damit Anerkennung und Wertschätzung für die eigene Arbeit,

sagt der Künstler. Was mit seinen angekauften Keramikobjekten geschieht, das weiß er allerdings nicht.

Berthold Neumann vor einer Vitrine mit seinen Keramikschalen. Bild: Hüfner
Berthold Neumann vor einer Vitrine mit seinen Keramikschalen. Bild: Hüfner

Die müssen äußerst sorgfältig behandelt werden, denn sie sind zerbrechlicher als Glas. Gerade einmal einen Millimeter beträgt die Wandstärke seiner Schalen.

Neumann entwickelte nämlich im Laufe der Jahrzehnte im Umgang mit Ton eine ganz eigene Technik. Das beginnt schon beim Grundmaterial dem Ton. Der wird aufwändig gereinigt und vorbereitet.

An der Drehscheibe, an der er seine Objekte formt, trocknet er schon während des Arbeitsvorgangs die dünnen Gefäßwände. Fein ziselierte Muster in dem noch formbaren Material schneidet er mit einem Skalpell. Später im Trocknungsprozess schleift er noch vorhandene Grate ab, sucht nach kleinsten Fehlern in dem halbfertigen Kunststück.

Begonnen hat für Neumann alles mit „Daumenschälchen“, einfachen Gebilden die entstehen, wenn ein Stück Ton langsam zwischen den Fingern gedrückt wird.

Heute, drei Jahrzehnte später, sind Schalen noch immer sein Thema.

Ich konzentriere mich weiter auf Schalen und fühle mich immer noch am Anfang,

erzählt er zu der Entdeckungsreise, die er in diese ganz spezielle Welt unternimmt. Nicht nur als Behältnis zur Aufbewahrung sei sie zu gebrauchen, sondern Haut, Struktur eines Raumes.

Wenn man sie anschaut, kommt man zur Ruhe,

beschreibt der Freischaffende Künstler seine Arbeiten. Im ersten Moment mag das vielleicht kurios klingen, doch alleine schon die Muster, die die Glasur bildet, laden zur näheren Betrachtung ein.

Neumann überlässt hier fast nichts dem Zufall, kalkuliert genau mit der Fließrichtung, die er als weiteres Element der Gestaltung einsetzt.

Eine weitere Überraschung steht im Zusammenhang mit dem feinen Dekor aus durchbrochenen Flächen. Ihr Schattenwurf zeigt von Neumann ganz gewollte Reihungen und Linien, die beim bloßen Betrachten der Schale gar nicht auffallen.

Das ehemalige "Milchhüsli" in der Volkenbachstraße beherbergt seit 2002 Werkstatt und Atelier von Berthold Neumann. Bild: Hüfner
Das ehemalige „Milchhüsli“ in der Volkenbachstraße beherbergt seit 2002 Werkstatt und Atelier von Berthold Neumann. Bild: Hüfner

Dafür sind es die gebogenen Wände, die im ersten Moment so wirken, als seien sie von Hand gar nicht herzustellen. Sind sie auch nicht, denn hier wirken Schwerkraft, Materialbeschaffenheit und Brenntemperatur zusammen, um die fast organisch wirkenden Formen entstehen zu lassen.

Hier liegt vielleicht Neumanns größtes Können.

Mich reizen die Extreme,

meint er zu seinem Vorgehen. Genaues Beobachten von Einflüssen beim Brennen des Tons geben ihm Hinweise, wie sich die Verformungen steuern lassen, und zwar möglichst wiederholbar. Wie sieht das Ergebnis aus, wenn die Schale dabei auf ihrem Boden steht, wie dann, wenn sie auf dem Kopf den Brennvorgang durchläuft?

Dass dabei die Temperatur weit über tausend Grad liegt, ist dem Umstand geschuldet, dass sie dadurch eine gewisse Stabilität erhalten.

Für die Museumsnacht plant Neumann, seine Kunstobjekte vor dem „Milchhüsli“ auf der Straße zu präsentieren – mit Beleuchtung. Seine Motivation, sich an dem „Event“ zu beteiligen, fasst er so zusammen: „Nicht verkaufen, sondern ein Erlebnis für die Besucher zu bieten“.

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