Im "Löwen" in Jestetten kamen nur wenige Besucher zur Wahlveranstaltung von Ira Sattler. Dennoch wurden hier viele Themen ausführlich besprochen. Bild: Hüfner
Im „Löwen“ in Jestetten kamen nur wenige Besucher zur Wahlveranstaltung von Ira Sattler. Dennoch wurden hier viele Themen ausführlich besprochen. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Mit fünf Gästen war die Wahlveranstaltung von Ira Sattler im Gasthaus „Löwen“ in Jestetten äußerst überschaubar.

„Ich muss zugeben, ich habe nicht viel erwartet“, meinte sie eingangs, denn am Montag fand die öffentliche Vorstellung, die von der Gemeinde organisiert worden war, statt.

So war es möglich, recht ungezwungen mit ihr in diesem kleinen Kreis ins Gespräch zu kommen. Das nutzten Theo Meister und Rainer Denzel, beides Ex-Gemeinderäte, das Wirtepaar Siegle und Charlotte Lohr, die aus Altenburg gekommen war.

Gemeinde-Haushalt, Älterwerden der Einwohner, Proberäume für Vereine, schnelles Internet, Jugend, Schulen, Ortsumfahrung und Lebensqualität in der Gemeinde lauteten, wie schon in den vorangegangenen Veranstaltungen die Themen der Kandidatin.

Ich verspreche nur Dinge, wenn ich sie halten kann,

beendete sie ihren Vortrag. Und fügte hinzu: „Ich hab´ auch gern Veränderungen, aber nicht, wenn ich abgewählt werde“.

Von Meister angesprochen auf die gewerbliche Entwicklung, stellte Sattler fest: „Das, was man sich vor 20 Jahren erhoffte, Gewerbebetriebe mit 100, 120 Arbeitsplätzen oder produzierendes Gewerbe, das ist es nicht“.

In Altenburg sind es kleine Betriebe, die kommen, dazu Ein-Mann-Unternehmen wie gerade die Unterstellhalle für Wohnmobile und Boote mit angeschlossener Werkstatt.

Anfragen wegen Ansiedlungen von Unternehmen würden immer wieder an die Gemeinde heran getragen. Gelände für Neuansiedlungen ist auf jeden Fall noch vorhanden. Alleine in Jestetten könnten 13 Hektar in Gewerbegebiet umgewandelt werden. Dazu kommen noch Flächen, wie zwischen dem Autohaus am Ortsausgang von Jestetten Richtung Neuhausen entlang der Bahnlinie. Das ist allerdings nicht im Besitz der Gemeinde.

Die Eigentümer würden hier gerne Einzelhandel oder Casinos sehen, doch das will Sattler nicht befürworten. Sie verlangt ein Konzept für das gesamte Gelände, dann werde die Gemeinde die baurechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen.

Groß ist das Interesse an Flächen für Wohnbebauung in Jestetten.

 

Wir könnten schon noch viele Bauplätze verkaufen,

 

so Sattler. Wenn das Tempo so weiter gehe, sei der Bereich Dankholz/Kirchenäcker in zehn Jahren bebaut.

Die Überlegungen gehen indessen schon weiter. Das Gelände des heutigen Sportplatzes könne zur Wohnbebauung genutzt werden, die Sportanlagen dort einen neuen Standort erhalten.

Auf die Frage, was aus dem Gelände des durch einen Brand zerstörten Pfarrhauses wird, berichtete Sattler, dass sie mit dem Grundstückseigentümer Gespräche geführt hat. „Der will im Moment gar nicht verkaufen“, berichtete Sattler.

Eine Liste mit rund 50 Unterschriften übergab Charlotte Lohr an Sattler, bevor sie ihr Anliegen vorbrachte. Ihr, und den Unterzeichnern, geht es darum, dass die Busverbindung zwischen Altenburg und Jestetten verbessert wird. Die 81-Jährige meinte dazu: „Es muss doch was geschehen, auch samstags muss ein Bus fahren“.

Frau Lohr hat recht,

 

kommentierte Sattler das. „Mit dem Thema werden wir uns beschäftigen, aber kurzfristig kann ich nichts sagen“, gab sie der Altenburgerin mit auf den Heimweg.

Eine ganze Liste mit Fragen und Stichworten hatte sich Denzel aufgeschrieben. „Wenn Sie an den Schulgebäuden etwas renovieren, das ist Kokolores“, stellte er fest und auch: „Die Werkrealschule geht den Bach runter und auch die Realschule, wenn sie nicht aufpasst“, so der ehemalige Hauptschulrektor. Er warf Sattler vor, dass die Gemeinde hier geschlafen habe.

Da widerspreche ich ganz entschieden,

entgegnete sie. „Wir haben über einen Verbund von Hauptschule und Realschule im Gemeinderat gesprochen, nichtöffentlich. Das hat den Schönheitsfehler, dass es nur mit einem Rektor geht“, erklärte sie. Dass dies nur einen Schüler mehr bringe, bezweifelte Sattler entschieden.

Wir werden das im Gemeinderat besprechen und nehmen die Schulleiter dazu und ich mache eine öffentliche Veranstaltung,

versprach sie.

Denzels Kritik an der Baufirma, die im Dankholz derzeit tätig ist, wies sie zurück. Es sei eine Firma, die Top-Qualität liefere. Schwierig sei es derzeit, „im Tiefbau und bei Pflasterarbeiten eine Firma zu finden, die das macht. Die haben jetzt alle volle Bücher und wir sind froh wenn jemand kommt“.

Kritik gab es an der Pflege von Grünanlagen der Gemeinde nicht nur von Denzel. Sattler wies darauf hin, dass die nicht mehr von Fremdfirmen, sondern vom Bauhof durchgeführt würde.

Über den Zustand des Kreisels am westlichen Ortsausgang gab es ebenfalls Klagen. „Besser als ein übermöblierter Kreisverkehr ist das allemal“, meinte Sattler und wies auf die Kosten einer Veränderung hin, was den Gemeinderat dazu veranlasst hätte, dessen Zustand zu belassen.

Das sind für mich Luxusprobleme; der Gemeinderat hat entschieden, mit dem lebe ich,

war hier Sattlers Standpunkt.

Das Wirtepaar Siegle regte an, den Beginn der Sperrzeit der Gartenwirtschaften von 22 auf 23 Uhr zu verschieben. Sie begründeten dies unter anderem mit den veränderten Lebensgewohnheiten. „Ich bitte um einen Antrag, dann unterstütze ich das“, versprach ihnen die Wahlkämpferin.

Was dann nach fast zwei Stunden folgte, waren eher persönlich geprägte Anmerkungen, Äußerungen und Gespräche, mit denen die Wahlveranstaltung ausklang. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Terminen von Sattler war dieser vielleicht der am geringsten besuchte, inhaltlich und zeitlich aber eher ausführlichste Abend.

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