Zwei Flugzeuge stießen 2002 am Himmel bei Überlingen zusammen. 2008 fanden in der Nähe von Dettighofen Dreharbeiten für einen Film über dieses Unglück statt. Bild: Hüfner
Zwei Flugzeuge stießen 2002 am Himmel über Überlingen zusammen. 2008 fanden in der Nähe von Dettighofen Dreharbeiten für einen Film zu dem Unglück statt. Bild: Hüfner

Region Klettgau (hüf) Die Region Klettgau entging am Abend des 25. Oktober 2010 nur knapp einer Flugzeugkatastrophe. Zwei Linienflugzeuge kamen sich bedenklich nahe. Der Abstand zueinander betrug bei dem Vorfall gerade noch 150 Meter.

Kurz vor 20 Uhr waren an diesem Montag ein Airbus A320-232 der portugiesischen White Airways (rund 200 Sitzplätze) und ein Airbus A340-642 der Qatar Airways (rund 400 Sitzplätze) im Anflug auf den Flughafen Zürich-Kloten. Die portugiesische Maschine flog in Richtung Westen, der Quatar-Airbus samt einer weiteren Maschine in Richtung Osten.

Etwa fünf Kilometer nordöstlich von Trasadingen, unweit der Grenze bei Erzingen, kam es dann zu dem Fast-Zusammenstoß, als der portugiesische Flieger entsprechend den Anweisungen der Flugsicherung zwischen den beiden anderen Maschinen hindurch fliegen sollte.

Dies geht aus dem Bericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST) hervor, der gestern veröffentlicht wurde. Sie macht darin die portugiesischen Piloten für die Beinah-Kollision verantwortlich.

Sie seien eigenmächtig ein Ausweichmanöver geflogen.

Dies hatte zur Folge, dass es zwischen ihrem und einem weiteren Flugzeug zu einer unbeabsichtigten Annäherung kam, die ein erhebliches Kollisionsrisiko aufwies,

heißt es im Abschlussbericht.

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Grafik: Hüfner

Allerdings gab es auch bei der Flugsicherung Probleme. Dazu steht in dem SUST-Bericht: „Zum schweren Vorfall hat möglicherweise beigetragen, dass der überwachende Flugverkehrsleiter aufgrund eines technischen Mangels nicht zeitgerecht eingreifen konnte.“

In dem Untersuchungsbericht wird auch beschrieben, dass zuvor eine „in Ausbildung stehende Flugverkehrsleiterin“ für den Luftraum zuständig war, in dem sich der Beinahe-Zusammenstoß ereignete. Als die Warnsysteme in einem Flugzeug anschlugen übernahm ihr Ausbilder, der Fluglotse, die Luftraumüberwachung.

Allerdings funktionierte die Technik der Schweizer Flugsicherung nicht fehlerfrei. So hörten die Piloten über eine Minute lang an Stelle von Anweisungen nur Knistern aus ihren Geräten, bevor der Fluglotse vom Headset zu einem Handmikrofon wechselte

Der Fast-Zusammenstoß sei aber nicht direkt durch diese Vorgänge verursacht worden, meint die SUST, aber

im Rahmen der Untersuchung als risikoerhöhend erkannt.

Hinzu kommt noch, dass die Flugverkehrsleitung den Besatzungen der betroffenen Flugzeuge keine Verkehrsinformation erteilte, obwohl das von ihre vorgegebene Anflugverfahren einen Kollisionsalarm zur Folge hatte.

Welche Lehren aus dem schweren Vorfall über der Region Klettgau gezogen werden, steht ganz am Ende des Unfalluntersuchungsberichts: „Sicherheitsempfehlungen: Keine. Seit dem schweren Vorfall getroffene Maßnahmen: Keine.“

 

Der Untersuchungsbericht findet sich hier unter dem Datum 25.10.2010.

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