Lothar Altenburger bei der Einleitung. Bild: Hüfner
Lothar Altenburger bei der Einleitung. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Bei einer öffentlichen Kandidatenvorstellung in der Jestetter Gemeindehalle bestand am Montag für die beiden Bewerber um das Amt des Bürgermeisters Gelegenheit, sich zu präsentieren.

Während Amtsinhaberin Ira Sattler die Gelegenheit nutzte, ließ Mitbewerber Michael König ein anderthalbseitiges Schreiben verlesen.

Knapp in Zahlen zusammen gefasst, lässt sich die Veranstaltung zu umreißen:
200 aufgestellte Stühle
Etwa 80 Zuhörerinnen und Zuhörer, darunter Angehörige und frühere Arbeitskolleginnen von Sattler, Mitarbeiter der Rathausverwaltung und Gemeinderäte
Das Alter der Besucher lag mit wenigen Ausnahmen jenseits der 50 Jahre
Dauer rund eineinhalb Stunden
davon 65 Minuten Redezeit von Sattler.

Lothar Altenburger, Gemeinderat und Wahlausschuss-Vorsitzender, leitete die Veranstaltung, wobei er die rechtlichen Aspekte erläuterte. Abschließend fragte er, ob der Mitbewerber sich im Saal befinde, was im Publikum für Heiterkeit sorgte.

Dann teilte er mit, im Anschluss an Sattlers Vorstellungsrede, das Schreiben von König zu verlesen. Verpflichtet sei er dazu nicht, das habe die Kommunalaufsicht bestätigt.

Sattler wurde dann in ihrem Vortrag erst einmal durch Musik aus einem Nebenraum der Halle unterbrochen, kämpfte sich durch die wirtschaftlichen Thesen, die sie als Bürgermeisterin ihrer Arbeit zu Grunde legt. 16 Millionen Euro Invbestitionen, eine faktisch schuldenfreie Gemeinde, war von Sattler zu hören.

Mehr-Generationen-Haus, Vereinshaus, Industriegebiet „Rheinauer Breite“, Schulsanierung, Ortsumfahrung – all das nannte sie als Ziele für eine zweite Amtszeit.

Die Themen Absenkung des Wasserpegels in der Rheinschleife, Atom-Endlager und Notarztversorgung klammerte sie aus, denn so argumentierte sie, „die fallen nicht in die Zuständigkeit der Gemeinde“.

„Deshalb bitte ich sie heute schon um ihr Vertrauen und am 22. September um ihre Stimme“,

schloss sie ihre Vorstellungsrede.

Ira Sattler bei ihrer Rede. Bild: Hüfner
Ira Sattler bei ihrer Rede. Bild: Hüfner

„Ich finde sie sympathisch“, leitete ein Zuhörer seine Frage ein, als schließlich die Bürger mit Sattler ins Gespräch kommen sollten. Dann folgte das Aber: „Wir haben viele Baustellen in Jestetten“. Der Flachshof eingezäunt, der Wanderweg dadurch blockiert, fremde Grundstücke mit einbezogen. Die SBB-Brücken Richtung Wangental und an der Neunkircher Straße viel zu schmal.

Sattler holte aus, erklärte die rechtliche Situation, betonte: „Das sind beides Angelegenheiten, die nicht in den Verantwortungsbereich der Gemeinde fallen“. Die Einzäunung habe das Landratsamt genehmigt, an den Baukosten der Brücken das Regierungspräsidium sich nicht beteiligen wollen.

Karin Rehbock-Zureich sprach davon, dass die Schullandschaft in Bewegung ist, wollte wissen, „wie kann man das Angebot in Jestetten erhalten?“ Dazu stehe zu wenig in Sattlers Werbeprospekt.

Die Wahlkämpferin entgegnete, dass sie in einer zweiten Amtszeit die Sanierung der Schulen angehen wolle, beschrieb die Situation. Demnach kämen 40 Prozent der Realschüler aus der Gemeinde Klettgau. „Was sollen die hier her kommen, wenn sie die Realschule vor Ort haben“, fragte Sattler zu der jetzt eingerichteten Gemeinschaftsschule in Erzingen.

„Ich bitte sie um Verständnis, dass ich das hier nicht bespreche“,

äußerte sie gegenüber den Zuhörern in der Halle. Erst einmal soll das im Gemeinderat diskutiert werden.

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Das Publikum in der Gemeindehalle. Bild: Hüfner

Rainer Denzel beklagte, dass in den vergangenen drei vier Jahren die Schule zwar zur Sprache gekommen sei. Konsequenzen oder Entscheidungen vermisste er allerdings. „Ich befürchte, dass Jestetten den Schulstandort so nicht halten kann, wie es bisher war“, so der frühere Hauptschulrektor.

Mit Erstaunen erfuhren manch Jestetter, dass die Gemeinde einen privaten Sicherheitsdienst einsetzt, um Jugendtreffpunkte zu überwachen. Im Frühjahr sei der an einigen Tagen zwischen 22 und 1 Uhr unterwegs gewesen, um die Gegend um das Rathaus, die Realschule und das SBB-Gelände zu kontrollieren. Seit Neuestem ist auch noch das Parkdeck des Edeka-Markts mit dabei, weil dort laut Sattler Auto- und Mopedrennen statt fänden. „Eine Patentlösung ist das nicht“, räumte sie ein.

Die Anzahl der Fragen an die Bürgermeisterbewerberin hielt sich in Grenzen. Bild: Hüfner
Die Anzahl der Fragen an die Bürgermeisterbewerberin hielt sich in Grenzen. Bild: Hüfner

Nahwärmeverbund, Hackschnitzelheizung, Strompreise und die Aufwertung des Kreisels interessierten noch einige Zuhörer, doch dann beendete Sattler die Fragerunde, bedankte und verabschiedete sich.

Schnell leerte sich die Halle, die wenigen verbliebenen Gesprächsrunden drehten sich dann eher um Privates, denn um das, was bei der Kandidatenvorstellung zu hören war.

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