"Hungry Wolf" mit einem seiner zahlreichen Büchern bei der Lesung im Dorfladen in Altenburg. Bild: Hüfner
„Hungry Wolf“ mit einem seiner zahlreichen Büchern bei der Lesung im Dorfladen in Altenburg. Bild: Hüfner

Altenburg (hüf) Adolf Gutöhrlein verbrachte nur wenige Jahre seiner Kindheit in Altenburg. Jetzt besuchte er mit dem Enkelsohn den Ort.

Was wie ein Blick in die Familienhistorie anmutet, besitzt einen viel größeren Hintergrund. Der knapp 70-Jährige lebt schon lange in Kanada, wird „Hungry Wolf“ genannt und gehört dem Stamm der dortigen Schwarzfußindianer an.

Als Buchautor veröffentlichte er weit über 20 Titel rund um seine Erfahrungen, Eindrücke und Geschichten mit dem Indianerstamm. Im vor zwei Monaten eröffneten Altenburger Dorfladen las er daraus vor, berichtete über sein ungewöhnliches Leben und stellte sich den Fragen der gut 30 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die erfuhren, dass er wohl das letzte Mal solch eine weite Reise unternommen hat und sein Enkel nicht gerne reist. Aber der Wunsch war da, die Orte zu sehen, woher die Vorfahren stammen. Ein paar Kusinen noch im Kanton St. Gallen besuchen, dann geht es wieder heim.

Sein Zuhause, das ist ein ordentliches Stück Land zwei Stunden nördlich der Grenze zu dem amerikanischen Bundesstaat Montana. Daheim, das ist für ihn ein in Jahren selbst gebautes Haus ohne fließend Wasser oder Stromanschluss, umgeben von naturbelassenen Wiesen und Wäldern.

Das Publikum hing fast an den Lippen des Buchautors. Bild: Hüfner
Das Publikum hing fast an den Lippen des Buchautors. Bild: Hüfner

Der nächste Nachbar wohnt etwa 15 Kilometer entfernt, ein Schweizer, über dessen Eskapaden „Hungry Wolf“ einige Episoden zum Besten gibt. Das Publikum findet die Geschichten rund um dessen Rinderzucht höchst amüsant.

Doch da sind die Erfahrungen des Jungen, der in der amerikanischen Grundschule wegen seinem Vornamen immer wieder Prügel bezieht. Und das nur, weil die Familientraditon es wollte, dass der Erstgeborene den Vornamen des Vaters tragen soll. Adolf ist gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Amerika nicht sonderlich gut gelitten.

Bei den Pfadfindern macht ihn ein „Häuptling“ das erste Mal mit Bekleidung von Indianern bekannt. Er spricht ein wenig Deutsch und nimmt sich des Jungens an.

Der verdient sein Geld mit Zeitungsaustragen und kauft sein erstes Stück Land. Rechtsanwalt soll er werden, bricht gegen Ende des Studiums ab und sattelt um auf Geschichtslehrer.

„So mit 23 ist es seriös geworden“, erzählt er den Altenburgern, und meint sein Interesse an den Indianern. Bei einem Fest lernte er den letzten authentischen Schwarzfußkrieger kennen.

Es folgt der Umzug in ein Tipi im Wechsel mit dem Leben in einem VW-Bus. Seine erste Frau, eine Indianerin, ist mit dabei, das erste von fünf Kindern kommt auf die Welt. Richtig in Kontakt mit den Indianern kommt er aber erst, als er sich am Rand eines Reservats ansiedelt.

Horst Wipf, Cousin, Enkel Cassius Klay Hungry Wolf, Adolf Hungry Wolf und Cousin Klaus Scherner vor dem Wohnhaus in Altenburg. Bild: Hüfner
Horst Wipf, Cousin, Enkel Cassius Klay Hungry Wolf, Adolf Hungry Wolf und Cousin Klaus Scherner vor dem ehemaligen Wohnhaus in Altenburg. Bild: Hüfner

Immer tiefer taucht der Junge aus Deutschland in die Welt der Indianer ein. In Altenburg erzählt er wenig davon. Sein Publikum fragt nach dem Wetter, will wissen, ob ihn Karl May inspiriert hat, ob es Bürgermeister im Reservat gibt.

„Hungry Wolf“ gibt Auskunft: „Zuerst sagst Du mal Du zu mir“, weist er eine Fragestellerin zurecht, die ihn mit Sie anredet. Einer, der ihn kennt, fordert ihn auf „die Geschichte mit der Kuh vom Schweizer zu erzählen“.

Es wird danach gefragt „was machen Sie, wenn Sie krank sind?“ „Dann warte ich, bis ich nicht mehr krank bin“, ist seine Antwort. Und dass er ein Handy besitzt und einen Freund mit Hubschrauber.

Nach fast zwei Stunden Lesung und Antwortspiel geht es zum Gruppenfoto vor das einstige Wohnhaus. Anschließend werden im Dorfladen noch ein paar Bücher von „Hungry Wolf“ ausgepackt, gibt es Kuchen, werden die Stühle gestapelt. Der neue Geldautomat summt vor sich hin, die Kühlregale sowieso. Die weite Welt war im Dorfladen kurz zu Gast gewesen.

Hungry Wolf mit seinem Enkel am Altenburger Dorfbrunnen. Bild: Hüfner
Hungry Wolf mit seinem Enkel am Altenburger Dorfbrunnen. Bild: Hüfner
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