Andreas Merk, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Jestetten, bei der Exkursion am Eulengraben im Gespräch mit Teilnehmern. Bild: Hüfner
Andreas Merk, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Jestetten, bei der Exkursion am Eulengraben im Gespräch mit Teilnehmern. Bild: Hüfner

Altenburg (hüf) Fledermäuse haben nicht unbedingt den besten Ruf. Viele Vorurteile sind mit dem nachtaktiven Säugetier verbunden.

Inzwischen gehört es zu den besonders bedrohten Arten und erfreut sich daher dem nachhaltigen Interesse von Biologen und Naturschützern. Als Indikator für Veränderungen der Lebensräume von weiteren Tieren und Pflanzen ist diese Tierart für sie von besonderem Interesse.

Hansueli Alder (Fachbereich Fledermäuse bei Pro Natura Schaffhausen) und Christoph Müller (Regionaler Naturpark Schaffhausen) kamen am Freitag nach Altenburg. Auf Einladung der BUND-Ortsgruppe Jestetten wollten sich etwa 25 Interessierte der unterschiedlichsten Altersgruppen über die „Jäger der Nacht“ informieren.

Alder, der sich in mehr als zwei Jahrzehnten den Ruf eines Experten erarbeitete, gab eine fast einstündige Einführung mit Bildern, Karten und kurzen Filmen.

Demnach ist bis heute noch nicht viel vom Leben der Fledermäuse in der Region bekannt, obwohl dazu erhebliche Anstrengungen unternommen wurden. Nistkästen untersuchen, Insektenreste im Fledermauskot identifizieren, Einzeltiere mit Sendern ausrüsten und die Flugkorridore mit Hilfe von Ultraschallsensoren ausfindig machen, gibt bislang nur einen Teil der Geheimnisse preis, die das Leben der Tiere ausmachen.

Spezielle Empfangsgeräte wandeln die Ultraschalllaute der Fledermäuse in hörbare Töne um. Bild: Hüfner
Spezielle Empfanggeräte wandeln die Ultraschalllaute der Fledermäuse in hörbare Töne um. Bild: Hüfner

Bekannt sind mittlerweile einige der Wochenstuben, in denen Fledermäuse ihren Nachwuchs aufziehen. Baumhöhlen, Gebäudeverkleidungen, ein Eisenbahntunnel der Sauschwänzlebahn und eine Kanalöffnung am Rheinfall nannte Alder. In einem Dachboden wurde sogar eine Kamera angebracht, die ihre Bilder ins Internet überträgt.

Mittels der akustischen Verfolgung konnten einige Strecken identifiziert werden, entlang derer die nur wenige Gramm schweren Tiere allnächtlich auf Futtersuche unterwegs sind. Der zweigleisige Ausbau der SBB-Strecke in Jestetten durchschneidet solch eine Route. Mittels zusätzlicher Bepflanzung wurde eine Umleitungsstrecke vorgegeben, um eine Kollision von Nachtjägern und Eisenbahn zu vermeiden.

Insgesamt 17 Fledermausarten sind in der Region daheim, zwölf konnten bei den jüngsten Untersuchungen in diesem Sommer von Alder und seinen Mitstreitern nachgewiesen werden. Erst in diesem Monat fanden sie ein männliches Exemplar der äußerst seltenen Mops-Fledermaus in Hallau.

Müller sieht in den Aktivitäten des Fledermaus-Projekts einen Baustein, der für die Idee des künftigen Regionalen Naturparks Schaffhausen steht. Forst. Gemeinden und Privatpersonen seien hier mit einbezogen und würden so den Naturparkgedanken grenzüberschreitend verwirklichen und weiter tragen.

Wie das aussieht, zeigte sich bei der anschließenden Exkursion. Nicht nur, dass bei dem Gang zum Eulengraben-Viadukt der Bahnstrecke Schaffhausen-Eglisau-Zürich der Staudamm eines Bibers zu begutachten war. Auch die Gespräche und der Austausch zwischen den Teilnehmern gestaltete sich überaus fruchtbar.

Andreas Merk, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe, freute sich, dass mit wenig Aufwand beim Bau des Bahn-Viadukts viel für den Fledermausschutz erreicht wurde.

Hansueli Alder (2. von links) vom Fachbereich Fledermäuse bei Pro Natura Schaffhausen, gab ausführliche Informationen über die Fledermausvorkommen beidseits der Staatsgrenze. Bild: Hüfner
Hansueli Alder (2. von links) vom Fachbereich Fledermäuse bei Pro Natura Schaffhausen, gab ausführliche Informationen über die Fledermausvorkommen beidseits der Staatsgrenze. Bild: Hüfner

An der Brückenfassade waren mehrere Nistmöglichkeiten eingebaut worden. Die Exkursionsteilnehmer sahen beim Einbruch der Nacht nicht nur, wie mehrere Tiere diese verließen. Über dem Gelände lieferten sich zwei Männchen eine Verfolgungsjagd und kreisten minutenlang dicht über den faszinierten Zuschauern. Später schlüpften noch weitere Tiere aus den Maueröffnungen.

Im Anschluss ging es an den Rhein, um dort die Wasserfledermaus bei der Jagd nach Insekten direkt über dem Wasser zu beobachten.

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