Holzbildhauermeister Eberhard Rieber mit der Entwurfszeichnung für seine Skulptur. Die befindet sich seit letzter Woche, sehr zur Freude mancher Jestetter, auf der Mauerkrone des Bahndamms. Bild: Hüfner
Holzbildhauermeister Eberhard Rieber mit der Entwurfszeichnung für seine Skulptur. Die befindet sich seit letzter Woche, sehr zur Freude mancher Jestetter, auf der Mauerkrone des Bahndamms. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Am Bahndamm in Jestetten blickt seit letzter Woche eine Skulptur auf Passanten und Autofahrer, die den Weg entlang der Bahnstrecke benutzen.

Wer guckt denn da? Das mögen sich all jene fragen, denen der Kopf auffällt, der sich neugierig über den Rand der Stützmauer schiebt und mit den Händen an der Betonkante fest hält. Mit einem blauen T-Shirt bekleidet, hellbraunen Haaren und stechendem Blick, wendet er sich neugierig dem Geschehen rund um die Bildhauerwerkstatt von Eberhard Rieber zu.

Er war es, der den Akzent an der Schallschutzmauer schuf, die sich fast wie die Berliner Mauer mitten durch den Ort zieht. Eine Gruppe vom Homberg-Kindergarten war schon da, besah sich die Holzskulptur und verabschiedete sich mit einem Winken von dem etwas skeptisch dreinblickenden Gesellen.

Damit auch alles passt, fertigte der Holzbildhauermeister ein Modell, in das er mit Ton den Entwurf für seine Skulptur einfügte. Bild: Hüfner
Damit auch alles passt, fertigte der Holzbildhauermeister ein Modell, in das er mit Ton den Entwurf für seine Skulptur einfügte. Bild: Hüfner

Andere Betrachter suchten gleich nach einem Namen für ihn. Hingucker, Auf der Maur oder Lueger lauten einige der Vorschläge. „Der sucht nach einem Mädchen“, mutmaßen sie. „Ha, schöne Figur“, habe er als Kommentar gehört sagt Rieber, und stellt für sich fest: „Schön ist die nicht, aber farbig macht sie was her.“

Vor gut zwei Monaten war die Skulptur noch eine schnöde Astgabel einer Eiche, die Rieber aus seinem Holzlager hervor geholt hatte. Bis das unbrauchbare Material entfernt war, hatte er einen gebeugten Klotz vor sich. Eine Skizze folgte und dann viel, viel Handarbeit.

„Dass ich was machen will, ist schon lang klar“, erzählt der Holzbildhauer. Die kahle Betonwand, der magere Grünstreifen, der hochaufragende Schallschutz – all das ist ihm täglich, stündlich vor Augen, wenn er seine Werkstatt verlässt. Der Bahnlärm sei tatsächlich leiser geworden, dafür dröhnen die Motoren von Mofas und Autos nun um so mehr durch das Haus.

Das Bemalen der vielen Mauer-Quadratmeter mit Illusionsbildern schwebt ihm vor. Für ihn alleine, die dafür nötigen Genehmigungen scheuend, ein undurchführbares Unterfangen.

Wer schaut denn da? Bild: Hüfner
Wer schaut denn da? Bild: Hüfner

Während die Jestetter Sommer- und Schulferien genossen, entstand der „Mauergüggsler“. Mit Hilfe von Steinbildhauer Jürgen Kübler gelangte der Charakterkopf völlig unkompliziert an seinen jetzigen Standort. „Gut befestigt, dass nichts passieren kann“, versichert Rieber.

„Ein Drache wäre noch schön“, sinniert er. Ein aufragender Kopf, dahinter der schlängelnde Schwanz. Oder vielleicht eine weibliche Figur? Der Bildhauer stockt ein wenig, als würde er nach einer Idee fassen. Dann sagt er ganz bestimmt: „Eine Helvetia kommt nicht in Frage!“

Mehr Hierzuland.Info:

Leben mit der Lärmschutzwand

Advertisements