glosseRegion Klettgau (hüf) Seit Montag wird am Landgericht Waldshut-Tiengen darüber verhandelt, ob ein 27-Jähriger aus Altenburg sein weiteres Leben in einer psychiatrischen Einrichtung verbringen muss.

Er selbst gibt zu, für den Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Ortsmitte von Altenburg verantwortlich zu sein.

Die Staatsanwaltschaft hält ihn nicht für schuldfähig, hält ihn für krank. Daher geht es in dem Verfahren darum, uns alle vor den Folgen der Auswirkungen dieser Krankheit zu schützen. Erst in zweiter Linie stellt sich die Frage nach einer individuellen Schuld.

Das ist das Merkmal einer humanen Rechtssprechung, die ohne „Auge um Auge“ urteilt. Es ist die Errungenschaft nach Lynchjustiz, Sippenhaftung und Parteienterror, was aber als „Kuscheljustiz“ immer häufiger diffamiert wird.

In der Berichterstattung sind die Medien zur Zurückhaltung aufgefordert, wenn ganz persönliche Dispositionen eine Rolle spielen. Der Pressekodex gibt hier den Rahmen vor.

Gerade dann, wenn Persönlichkeitsrechte berührt werden. Nicht nur die des mutmaßlichen Täters, der mutmaßlichen Täterin. Auch Angehörige und das Lebensumfeld können dabei in einem Maße in die Öffentlichkeit gezerrt werden, was in keiner Weise mit der Tat in einem Zusammenhang steht. So sind selbst Innenaufnahmen von Brandobjekten problematisch, wenn es um deren Veröffentlichung geht. Pure Neugier und Sensationslust zu befriedigen, das ist nicht Aufgabe seriöser Medien.

So wird über Selbstmorde höchstens dann berichtet, wenn sie im öffentlichen Raum vor den Augen vieler Zeugen statt finden oder „Personen der Zeitgeschichte“ betreffen. Sensationsgier mag das anders bewerten, doch es geht um die Wahrung des Privatbereichs und den „Werther- Effekt“. Die Gefahr von Nachahmungen auf Grund der Berichterstattung soll vermieden werden.

Das kann zu Irritationen führen. Bahnpassagiere kennen das.

Einsätze von Hilfsorganisationen, die im gesamten Ort wahrgenommen werden, tauchen in den Nachrichten nicht auf. Umgekehrt finden aber Aktivitäten statt, die durchaus berichtenswert für Medien sind – sofern sie davon erfahren, um zu recherchieren. Das kann dazu beitragen, Gerüchte oder gar Verschwörungstheorien zu verhindern.

Landgericht Waldshut-Tiengen. Bild: Hüfner
Landgericht Waldshut-Tiengen. Bild: Hüfner

Wo Verwaltungen, Behörden oder Institutionen den Einblick verwehren, kommt umgehend ein Verdacht auf. Meist unberechtigt, aber dann manchmal doch mit gravierenden Folgen. Der Verzicht auf Transparenz ist ein Verzicht auf Legitimation!

Der Brand in Altenburg hingegen ist ein Beispiel dafür, wie das ins Gegenteil umschlagen kann. Zu viele Details rücken nicht nur den Beschuldigten in einen Mittelpunkt, den er und seine (Straf-)Tat nicht verdienen.

Mehr noch: Menschen, die in keiner Weise darauf Einfluss hatten, sehen sich plötzlich einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt, stehen mit im Rampenlicht oder werden möglicherweise gar ausgegrenzt. Was in einer Großstadt vielleicht noch erträglich ist, kann auf dem Land das Leben ganz erheblich beeinträchtigen.

Hierzuland.Info hat beispielsweise darauf verzichtet, über einen zurück liegenden Mordfall, der sich jährt, zu berichten.

Genauso haben wir entschieden, alleine die äußeren Umstände der Verhandlung vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen zu berichten, die im Zusammenhang mit dem Brand vom Februar in Altenburg stehen.

 

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