Jessica (links) und Kristina zeigen die Stelle, an der sie auf der Schaffhauser Straße angefahren wurden. Noch sind einige Narkierungen der Unfallaufnahme zu sehen. Bild: Hüfner
Jessica (links) und Kristina zeigen die Stelle, an der sie auf der Schaffhauser Straße angefahren wurden. Noch sind einige Markierungen der Unfallaufnahme zu sehen. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Das wollen Eltern nie erleben: Das eigene Kind verunglückt im Straßenverkehr und der Verursacher haut einfach ab.

Claudia Hornung aus Jestetten musste am vergangenen Dienstagabend alles stehen und liegen lassen, weil ihre Tochter Jessica (17) einen Unfall hatte. Sie war mit ihrer Freundin Kristina (17) beim früheren Spielwarengeschäft Tröndle mit einem Motorroller gestürzt und beide verletzten sich dabei.

„Eine Zeugin beobachtete den Unfall und versuchte die Astra-Fahrerin aufzuhalten. Nach einem kurzen Gespräch flüchtete sie jedoch mit ihrem im Kanton Schaffhausen zugelassenen Astra von der Unfallstelle.“  So steht es in der Medienmitteilung der Polizeidirektion Waldshut-Tiengen.

Bis heute kann die Mutter nicht verstehen, wie ein Mensch so handelt. Gerne würde sie von ihr wissen, warum sie die beiden verletzten Mädchen ihrem Schicksal überließ. „Ich finde es unmöglich, dass sie weggefahren ist“, meint Hornung.

Passanten kümmerten sich um die verletzten Mädchen, brachten kalte Kompressen und Wasser zum Trinken, alarmierten Polizei und Rettungsdienst.

Hier kann die Mutter ihre Kritik nicht im Zaum halten. Sie war von daheim zur Unfallstelle geeilt, wartete mit den beiden verletzten Mädchen auf ärztliche Versorgung. Fast eine halbe Stunde. Dann sei der Rettungswagen aus Richtung der Kreisstadt mit Blaulicht eingetroffen, etliche Minuten später die Polizei.

„Das ist eine Verschlechterung – ich denke, wenn es ernster gewesen wäre, hätte ich mehr Angst gehabt“, schildert Hornung ihre Gefühle an jenem Dienstagabend.

Schürfungen, Prellungen und Zerrungen trugen die beiden Mädchen davon. „Was wäre gewesen, wenn…“ geht es der Mutter durch den Kopf. Sie hat noch das Bild vor Augen, als die andere Tochter als Kleinkind vor einigen Jahren die Treppe hinab stürzte. Sie rief in der Praxis eines örtlichen Arztes an. „Der war dann innert drei, vier Minuten da“, berichtet Hornung.

Der Rettungsdienst versorgte die zwei Mädchen, fuhr sie ins Krankenhaus nach Waldshut-Tiengen. Dort erlebten die Beteiligten in der Notaufnahme eine weitere Ernüchterung. Drei Stunden hätten sie gewartet, schildert Hornung. Andere Patienten seien wieder gegangen, einer mit einer blutenden Kopfverletzung, eine andere mit verletztem Finger. Der Arzt sei in einer Notoperation, wurde ihnen dann kurz vor Mitternacht mitgeteilt. Viel zu spät, moniert Hornung, denn dafür hätte sie Verständnis aufgebracht.

Ein Arzt habe sich um ihre Tochter gekümmert: Untersuchen, Röntgen, Verbinden, all das sei dann sehr schnell und professionell gegangen.

Fast eine Woche nach dem Unfall sind die beiden Mädchen ohne Verband, zeigen ihre behandelten Schürfwunden und die blauen Flecke ungeschminkt. Den gemeinsamen Urlaub am Meer, zu dem sie am Samstag nach Italien aufgebrochen sind, wollen sie sich nicht vermiesen lassen, auch wenn das mit dem Baden wegen den Unfallfolgen erst mal nichts wird.

Zuvor erlebten sie aber noch eine Überraschung. Am Freitag hatten sie in Singen a.H. etwas zu erledigen. Anschließend besuchten sie ein Schnellrestaurant. Direkt vor dem Eingang war ein Opel Astra geparkt. Nicht irgendeiner, sondern genau jener, so schildern sie es, der an dem Unfall beteiligt war. Am rechten Außenspiegel hätte die Verkleidung gefehlt, am Heck sei die Stoßstange an einer Stelle mit Klebeband repariert gewesen.

Die Mutter zeigt ein Foto auf dem Mobiltelefon, das die Mädchen von dem Auto aufnahmen. Orange-metallic, zwei Personen im Inneren – die Fahrerin habe ihre Frisur verändert, fügt sie hinzu.

Ratlos bleibt sie zurück. Kann nicht verstehen, warum jemand nach einem Unfall nicht die Verantwortung dafür übernimmt: „Ich finde es unmöglich, dass sie weggefahren ist“, sagt Hornung. „Wenn man einen Unfall baut, dann muss man dazu stehen“, merkt sie in einem Nebensatz an. Und dann, dass die Polizei ermittelt. Aber das scheint ihr schon eher nebensächlich zu sein. Das „was hätte sein können“ geht ihr immer noch durch den Kopf.

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