Der Vorsitzende der Ortsgruppe Jestetten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Andreas Merk, bei einer Exkursion. Bild: Hüfner
Der Vorsitzende der Ortsgruppe Jestetten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Andreas Merk, bei einer Exkursion. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Was fliegt denn da? Diese Frage stellt sich jetzt in den Sommernächten, wenn mit Einbruch der Dunkelheit Schatten am Himmel entlang huschen.

Ob Volkenbachtal in Jestetten, Eulengraben in Altenburg oder nordöstlich des Dientenbergs in Lottstetten, überall sind nächtens lautlose Flieger unterwegs. Und das auch grenzüberschreitend. Dabei handelt es sich um Fledermäuse, die nach Futter jagen. Bachläufe mit ihrem Insektenreichtum bieten sich daher als ideale Jagdreviere an.

Hansueli Alder, Projektleiter Fledermausschutz bei „Pro Natura Schaffhausen„, „ist schon sein halbes Leben in Sachen Fledermaus unterwegs“, wie Andreas Merk erzählt. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Jestetten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) besitzt dagegen wenig Erfahrung mit den fliegenden Säugetieren.

Das wird sich wohl ändern, denn mit der Gründung des Regionalen Naturparks Schaffhausen soll der Fledermausschutz grenzüberschreitend voran gebracht werden. Ein erstes Ergebnis dazu gibt es bereits. Die Bepflanzung des Bahndamms im Zusammenhang mit dem Doppelspurausbau der SBB-Bahnlinie bei Jestetten wurde so gestaltet, dass die Fledermäuse künftig von möglichen Gefahrenstellen weggeleitet werden.

Allerdings kommt solch eine Aktion nicht von ungefähr. Alder erforscht seit Jahren auf dem Südranden, aber ebenso im Schweizerischen Klettgau Flugrouten, Jagdgebiete und Wohnquartiere von Fledermäusen. Dabei stellte er fest, dass der Region schweizweit eine außerordentliche Bedeutung zukommt. Mittlerweile sind hier 16 der rund 25 europäischen Arten nachgewiesen, als bislang jüngster Fund gilt die Brandtfledermaus in Trasadingen.

Ehemalige Bohnerzgrube im Bereich "Stockerhau". Bild: Regionaler Naturpark Schaffhausen
Ehemalige Bohnerzgrube im Bereich „Stockerhau“. Bild: Regionaler Naturpark Schaffhausen

Einfach ist es nicht, in den Nächten die recht wenigen Flugkünstler überhaupt zu entdecken. Allerdings hilft hier die Technik weiter. Für ihre Orientierung senden die Tiere im Flug Ultraschalllaute aus, mit denen sie Hindernisse erkennen und ihnen ausweichen können. Dafür gibt es inzwischen handliche Detektoren, mit denen sich sogar durch die unterschiedlichen Frequenzen einzelne Arten bestimmen lasen.

„Manchmal hört sich das wie ein ratternder Güterzug an“, berichtet Merk. Mit solchen Geräten ausgerüstet, waren zu Beginn des Sommers im Juni er und über ein halbes Dutzend BUND-Mitglieder rund um Jestetten unterwegs. Im Mittelpunkt der nächtlichen Erkundungen standen unter anderem die Gebiete „Bissig“ und Ettenberg“. „Das ist eine Arbeit, wo man sich Stück für Stück voran arbeiten muss“, erläutert Merk.

Dazu kamen noch „Radarfallen“, die Alder aufstellte und die für Zählungen verwendet werden. Mit einbezogen waren hier die Bohnerzlöcher im Wangental und offene Waldgebiete. Ziel dabei ist es, Wohnquartiere in den Baumquartieren und künstlichen Nisthöhlen dauerhaft zu schützen, insbesondere bei Waldarbeiten.

Was laut Merk bei der Untersuchung bislang noch fehlt, sind die Gebiete in unmittelbarer Nähe zum Rhein. Ebenso geht es nach seiner Auskunft darum, die gesamten vorkommenden Arten zu bestimmen und deren Kinderstuben sowie Winterquartiere aufzuspüren.

Ergebnisse der Fledermausuntersuchungen im Bereich Jestetten. Karte: Regionaler Naturpark Schaffhausen
Ergebnisse der Fledermausuntersuchungen im Bereich Jestetten. Karte: Regionaler Naturpark Schaffhausen

Laut Gisela Alder, Geschäftsführerin von Pro Natura Schaffhausen, steht insbesondere die Wasserfledermaus für die grenzüberschreitende Vernetzung und Nutzung von Lebensräumen. „Sie stellt damit symbolisch die Verbindung zwischen dem Randen und dem Rhein her, neben den Reben die zwei wichtigen Pfeiler in der Positionierung des Regionalen Naturparks.“

Mit den jetzt gewonnen Daten wird es in den kommenden Monaten verschiedene Veranstaltungen zu Fledermäusen geben, um diese Tiere, ihre Lebensweise und ihr Lebensraum der Bevölkerung näher zu bringen.

 

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