Die Mitglieder der Unfallkommission (von links): Peter Ackenheil, Leiter des Straßenverkehrsamts im Landratsamt Waldshut, Uwe Isele, Polizeidirektion Waldshut-Tiengen, Roswitha Schmidt, Abteilungsleiterin für den Bereich Verkehr, Patrick Heizmann, für das Regierungspräsidiums Freiburg und Rainer Mutter, Polizeidirektion Waldshut-Tiengen. Bild: Hüfner
Die Mitglieder der Unfallkommission (von links): Peter Ackenheil, Leiter des Straßenverkehrsamts im Landratsamt Waldshut, Uwe Isele, Polizeidirektion Waldshut-Tiengen, Roswitha Schmidt, Abteilungsleiterin für den Bereich Verkehr, Patrick Heizmann, für das Regierungspräsidiums Freiburg und Rainer Mutter, Polizeidirektion Waldshut-Tiengen. Bild: Hüfner

Region Klettgau/Lottstetten (hüf) Wird der Jestetter Kreisel zum Vorbild für Lottstetten?

Gestern kam die Unfallkommission, die auch für den östlichen Landkreis zuständig ist, zu ihrer jährlichen Besprechung zusammen. In den Räumen der Polizeidirektion Waldshut-Tiengen trafen sich Vertreter der Behörden, die diesem Gremium angehören. Das sind Regierungspräsidium, Landratsamt und Polizei.

Dabei handelt es sich um eine Institution, die aus der Straßenverkehrsordnung heraus bundeseinheitlich geregelt das Unfallgeschehen analysiert und an Brennpunkten für Abhilfe sorgen soll.

Rainer Mutter, Uwe Isele, beide innerhalb der Polizei für die Verkehrssicherheit und die Auswertung der Unfalldaten zuständig, gehören dem Gremium an. Mit dabei sind außerdem Peter Ackenheil, Leiter des Straßenverkehrsamts im Landratsamt, Roswitha Schmidt, dort Abteilungsleiterin für den Bereich Verkehr, sowie Patrick Heizmann, der im Namen des Regierungspräsidiums die „Baulastträger“ für die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen vertritt.

Problemlösung nicht immer sofort möglich

13 Stellen von Wehr bis Höchenschwand und Lottstetten standen bei ihnen auf der Liste, die 2012 als Brennpunkt im Unfallgeschehen statistisch auffielen. Dafür gibt es einen Fragenkatalog, mit dem einheitlich in ganz Deutschland solch eine Einordnung vorgenommen wird.

Mit dazu gehören Besichtigungen vor Ort. „Wir versetzen uns in die Lage der Fahrzeugführer“, erklärt Mutter das Vorgehen. Mehrtägige Schulungen sind dafür die Voraussetzung, fügt Ackenheil hinzu, und Schmid zeigt die Unterlagen dafür. „Man lernt die Unfallaufzeichnungen lesen“, sagt Ackenheil. Mutter verweist auf den Austausch unter den Teilnehmern, und erinnert sich daran, wie ein Kollege darüber berichtete, wie eine Bodenwelle als Unfallauslöser ausgemacht wurde. Entsprechendes Wissen hilft dann, in der Region für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen.

Das kann bereits im Vorfeld von Baumaßnahmen sein, ebenso aber, wenn dort nicht alles rund läuft. Ackenheil nennt hier das Beispiel eines Kreisverkehrs bei Wehr. Der erhoffte Unfallrückgang trat nach dem Kreisel-Bau nicht ein. Erst im Zusammenwirken mit der Kommune gelang es, weitere Ursachen für die Unfallhäufung abzustellen.

Kostengünstige Alternativen prüfen

Die Verkehrssituation bei Geißlingen mit der Sichtschutzwand vor dem Bau des Kreisverkehrs. Archivbild von 2005: Hüfner
Die Verkehrssituation bei Geißlingen mit der Sichtschutzwand vor dem Bau des Kreisverkehrs. Archivbild von 2005: Hüfner

Dass dies zu längeren und teils unkonventionell anmutenden Ergebnissen führt, zeigte sich bei der Geißlinger Brücke. Ackenheil erinnert da an die Sichtschutzwand. Die Sichtverhältnisse seien dort an der Straßeneinmündung zu gut gewesen, so dass viele Autofahrer ohne anzuhalten die vorfahrtsberechtigte Straße überquerten. Durch den Sichtschutz wurden sie gezwungen, hier ihr Tempo zu verringern. Das hielt aber manche Fahrer nicht davon ab, tiefer in den Sitz zu rutschen, wie sich Mutter erinnert. Also erhielt der Sichtschutz eine Erweiterung, die auch diese Möglichkeit ausschloss.

Sieben Jahre ist es nun her, als schließlich ein Kreisel gebaut wurde. Seit 1989 gab es bis dahin 44 Verkehrsunfälle mit einem Toten, fünf Schwerverletzten und einer Schadenssummer von 1,6 Millionen Euro. „Jetzt ist diese Stelle nicht mehr auffällig“, lautet der Kommentar von Ackenheil zu dieser Baumaßnahme.

Ob der Unfallschwerpunkt in Lottstetten nun ebenfalls mit einem Kreisverkehr entschärft wird, muss sich zeigen. „Die Forderung ist nicht erhoben“, meint Ackenheil. Bei einer Verkehrsschau sei die Unfallproblematik bereits angesprochen worden.

Stopp-Schilder und Fahrbahnmarkierungen

Die Abfahrt von der Bundesstraße B 27 trifft dort auf die aus dem Ort herausführende Straße in Richtung Balm und Jestetten. Gegenüber sind mehrere Parkplätze von Läden, die gut besucht werden. An fast allen Zusammenstößen seien nur Personenwagen beteiligt. Mit sechs Leichtverletzten in den vergangenen drei Jahren verliefen die 15 aktenkundigen Unfälle eher glimpflich. Sie passierten bei Helligkeit und trockener Straße. Insgesamt 160 000 Euro Sachschaden weist die Statistik aus.

Der Unfallschwerpunkt in Lottstetten im Januar 2013. Bild: Hüfner
Der Unfallschwerpunkt in Lottstetten im Januar 2013. Bild: Hüfner

„Fehleinschätzung der Verkehrsteilnehmer“, nennt der Amtsleiter das und meint: „Hier haben wir klassische Vorfahrtsverletzungen“. Gleich die große Keule „Kreisel“ muss das nicht unbedingt bedeuten. Laut Mutter wurde vor etwa einem Jahr die Änderung der Beschilderung vorgeschlagen. Weitere Maßnahmen könnten nun das Aufstellen eines Stopp-Schildes sein, dazu polizeiliche Überwachungsmaßnahmen. Damit sind die Möglichkeiten längst noch nicht ausgereizt. Änderungen bei der Straßenmarkierungen sind denkbar und auch optische Veränderungen, so dass Fahrzeuge besser gesehen werden.

Schließlich sind Kreisverkehre nicht gerade billig. Je nach Situation muss zusätzliche Fläche angekauft werden und die Nähe zur nächsten Bebauung nimmt Einfluss auf die Kreisel-Anlage. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wer die Kosten für die Baumaßnahme übernimmt. In Lottstetten treffen Gemeinde- und Kreisstraße sowie die Abfahrt einer Bundesstraße aufeinander. Unlösbar ist das aber nicht. Auch in Jestetten gab es am westlichen Ortsausgang solch eine Konstellation. Heute fließt der Verkehr dank dem Kreisel flüssig und unfallfrei.

Weitergehende Informationen:

Unfallforschung der Versicherer zu Kreisverkehren

Videos zur Unfallforschung

Mehr Hierzuland.Info:

Kein Unfallschwerpunkt in Jestetten

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