Skizze, aus der sich die Konstruktion der Rheinauer Kornkreise ablesen lässt. Grafik: Hüfner
Skizze, aus der sich die Konstruktion der Rheinauer Kornkreise ablesen lässt. Grafik: Hüfner

Rheinau/Benken (hüf) Selbstverständlich bleibt es bei einem Kornkreis wie dem bei Rheinau nicht aus, darüber zu spekulieren, wer der Urheber ist.

Sind es die vielzitierten Außerirdischen oder ist das Gebilde im Weizenfeld menschlichen Ursprungs?

Schon ein kurzer Blick auf die kursierenden Luftbilder genügt, um zu sehen, dass es Unstimmigkeiten in der Symmetrie der drei großen blätterförmigen Hauptgebilde gibt. Die Aufsicht bringt die unterschiedlichen Abstände zueinander deutlich hervor.

Ebenso sind auf dem Acker die Abgrenzungen zwischen den stehenden und liegenden Halmen nicht sehr scharf. Hinzu kommen Unregelmäßigkeiten genau an Stellen vor, an denen schwierige konstruktive Elemente aufeinander stoßen. Das ist dort der Fall, wo die Bögen der Hauptelemente an den kleineren zentralen Kreis der Figur anschließen.

Komplexe Figur, aber einfach konstruiert

Die Lage der gesamten Kornkreisfläche erweckt den Eindruck, die vorhandenen Reifengassen im Weizenfeld seien bewusst genutzt worden, damit sich verräterische Fußabdrücke minimieren. Auch bilden sie die Randbegrenzung für den zentralen inneren Kreis, was bei einer Konstruktion im Acker eine gewisse Orientierung ermöglicht.

Die grafische Anmutung des Kornkreises erinnert ein wenig an einen Blütenstand, wie er häufig in botanischen Lehrbüchern auftaucht.

Im ersten Moment erscheint das Gebilde als zu komplex, als dass es sich mit irgendwelchen einfachen Hilfsmitteln anfertigen ließe. Ein Aufgliedern in einzelne Strukturen hilft für eine Erklärung weiter.

Augenfällig ist dabei der sehr schmale umlaufende Kreis. Mit dem halben Durchmesser, auf der Kreislinie jeweils markiert, ergeben sich genau sechs Markierungspunkte.

Auf diesen sitzen tatsächlich sechs Figuren, die unter anderem aus einem Halbkreis zusammen gesetzt sind. Zudem schließen sich daran erneut Bögen an.

Umsetzung in der Praxis erfordert Erfahrung

Ein Vergleich der verschiedenen Kreisdurchmesser ergibt schließlich exakt drei verschiedene Durchmesser beziehungsweise Längenmaße.

Die sind nicht willkürlich gewählt, sondern es wird der ersten Länge einfach noch einmal die gleiche Länge hinzugefügt und diese dann noch einmal für das dritte Längenmaß.

Bei der Konstruktion der gesamten Kornkreisfigur ist für den Entwurf lediglich ein Zirkel erforderlich, eventuell noch ein Lineal. Für das spätere Ergebnis ist nur entscheidend, an welcher Stelle der Mittelpunkt eines Viertel-, Halb oder ganzen Kreises angenommen wird.

Die Umsetzung auf dem Acker bedarf damit sehr wenig Ausrüstung: Ein Seil oder eine Schnur, an der beispielsweise Knoten die drei unterschiedlichen Längenmaße angeben, möglichst ein dreibeiniges Stativ, was einen auffindbaren Mittelpunkt bei einer späteren Untersuchung verhindert, Markierungselemente für die weiteren Schnitt- und Mittelpunkte sowie möglicherweise noch ein Hilfsmittel wie eine Teleskopstange, mit deren Hilfe sich die Getreidehalme niederdrücken lassen.

Menschliche Urheber sind reale Erklärung

Auf dem Feld mitten im Korn braucht es sicher einige Abstimmung zwischen den Beteiligten. Vorstellbar ist daher, dass zwei Personen in der Lage sind, anhand der Konstruktionszeichnung in einem überschaubaren Zeitrahmen solch einen Kornkreis zu erschaffen.

Die Vorgehensweise bei der Umsetzung der Figur auf dem Feld legt nahe, deren Urheber sind mit grundlegenden geometrischen Verfahren vertraut. Das Wissen um Konstruktionsverfahren mag zwar nicht unbedingt in der breiten Öffentlichkeit vorhanden sein, es gibt jedoch Berufe wie Landschaftsarchitekten, Steinmetze oder Schreiner, in denen solche Grundlagen eine lange Tradition besitzen.

Aus diesem Grund wirken Kornkreise mit ihrer ornamentalen Sprache äußerst ästhetisch und anziehend. Das Rheinauer Gebilde jedenfalls weist genügend Merkmale auf, die auf ganz menschliche Urheber schließen lassen.

Mehr Hierzuland.Info:

Kornkreise in Rheinau entdeckt

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