Gerhard Bachmann (2. von rechts) erwarb den Bahnhof von Grießen, renovierte ihn und gab jetzt Gelegenheit, ihn auch von Innen zu besichtigen. Bild: Hüfner
Gerhard Bachmann (2. von rechts) erwarb den Bahnhof von Grießen, renovierte ihn und gab jetzt Gelegenheit, ihn auch von Innen zu besichtigen. Bild: Hüfner

Grießen (hüf) Es war fast so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, als Gerhard Bachmann (59) vor etwa zwei Jahren den Bahnhof von Grießen sah.

Er hatte gerade in Markdorf ein Bahngebäude besichtigt und wollte zusammen mit seinem Freund im Internet noch ein wenig mehr darüber erfahren. In der Liste der von der Bahn angebotenen Immobilien stand auch der Grießemer Bahnhof und der gefiel Bachmann äußerst gut.

Noch in der Nacht schrieb er einen Brief an die für den Verkauf zuständige Stelle und innerhalb von drei Wochen war der Kaufvertrag perfekt. Für 30 000 Euro erhielt das mittlerweile 150 Jahre alte Gebäude einen neuen Besitzer.

Der führt in Zürich einen Malerbetrieb und bereitet sich langsam auf seinen Ruhestand vor. Mit der Renovierung des historischen Objekts tauchte der neue Besitzer tief in die Vergangenheit ein. Er legte Wände und Böden wieder frei, entfernte Umbauten und modernisierte die Installationen. Noch wird mit Einzelöfen geheizt, doch die Umstellung auf Gasbetrieb ist möglich.

Noch weiß Bachmann nicht so recht, was in dem großen Gebäude künftig passieren soll. Er kann sich die Nutzung als Kunstateliers, für Vereine oder Musikgruppen vorstellen. Die Wohnräume der einstigen Bahnhofsvorsteher will er selbst nicht nutzen. „Zürich ist eine schöne Stadt“, meint er und dass er dort weiter wohnen bleiben wird.

Um der Öffentlichkeit einen Einblick zu geben, lud er am Samstag zur Besichtigung ein. Das ein oder andere Gespräch über Nutzungsmöglichkeiten ergab sich dabei.

Was alles möglich ist, zeigte ein spontanes kleines Konzert von zwei Akkordeonspielern zusammen mit Bachmann am Kontrabass. Der einstige Wartesaal wurde zu Bühne und Tanzfläche. Die Küche bekam den Charme einer traditionellen Landbeiz und neben dem Gebäude stand der Holzkohlegrill.

Fast zum Happening wurde dann der Zughalt. Durch die Bauarbeiten an der Bahnstrecke zwischen Erzingen und Schaffhausen halten in Grießen derzeit fahrplanmäßig Züge. Einige der Besucher nutzten die Gelegenheit und traten die Heimreise per Bahn an. Da war es fast schon Ehrensache, sie mit Signalkelle und einstiger Dienstmütze zu verabschieden.

 

 

Bildergalerie der Besichtigung des Bahnhofs:

© alle Bilder: Manfred Hüfner

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