Was wächst denn da? Im Kindergarten "Kunterbunt" in Jestetten wird diese Frage im eigenen Garten beantwortet. Bild: Hüfner
Was wächst denn da? Im Kindergarten „Kunterbunt“ in Jestetten wird diese Frage im eigenen Garten beantwortet. Bild: Hüfner

Jestetten (hüf) Erbsen kommen aus der Dose und Milch aus dem Tetra-Pack. So denken mittlerweile viele Kinder, die nicht nur in städtischen Haushalten aufwachsen.

Auch in Jestetten wissen viele Kindergartenkinder nicht, was sie essen und woher es kommt. Am 2. März war deshalb Spatenstich für ein Projekt im Kindergarten „Kunterbunt„. „Mein Alltag und ich“ lautet dort das Jahresthema.

Die beiden Erzieherinnen Renate Kraus und Petra Metzger leiten dort die „Löwengruppe“, die 21 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren besuchen. Sie wurden von Raimund Hartmann angesprochen, dem Geschäftsführer der örtlichen Raiffeisen-Warengenossenschaft. Er bot ihnen ein Projekt an, das er von anderen Raiffeisen-Betrieben bereits kannte: Die Warengenossenschaft stellt kostenlos das Material zur Verfügung und der Kindergarten sorgt für die Umsetzung.

In Jestetten heißt das nun „Unser kunterbunter Garten“. Nachdem die Väter der Kindergartenkinder ein Stück Wiese umgegraben hatten, stellten noch das Holzunternehmen Udo Metzger das Holz für die Gartenwege zur Verfügung und der Steinmetzmeister Jürgen Kübler Schieferplatten. Sogar der Bauhof der Gemeinde in Person von Daniel Scharf half mit, die Beete vorzubereiten.

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In der hinteren Reihe von links: Petra Metzger, Manuela Renz und Renate Kraus sowie Raimund Hartmann von der Raiffeisen-Warengenossenschaft Jestetten. Bild: Hüfner

Dann folgte das erste Erlebnis für die Kleinen. Sie durften in kleine Töpfchen Erde einfüllen und die Samenkörner hinein legen. Das Spielzimmer diente anschließend als Aufzuchtstation für die Setzlinge. Fensterbänke und Tische standen voll mit den Jungpflanzen und wurden liebevoll mit der Pipette beträufelt und täglich begutachtet.

„Die Kinder konnten sehen, wie das wächst“, erinnert sich Kraus. Als es wärmer wurde, stellten sie die Töpfe jeden Tag ins Freie, so dass sich die Sämlinge an die Temperaturen gewöhnen konnten.

Tomaten, Kohlrabi, Paprika, Fenchel, Kürbis, Melonen, Gurken, Zucchini, Bohnen und zahlreiche Kräuter wuchsen so unter steter Beobachtung durch die Kinder heran.

Was folgte, war die „multimediale“ Begleitung. Lieder, Bilder und Fensterdekorationen zum Thema prägen in diesem Jahr den Tagesablauf und auch das Kindergartenfest am 6. Juli wird das aufgreifen.

Sogar ein eigenes Hinweisschild hat der kindergarteneigene Garten erhalten. Bild: Hüfner
Sogar ein eigenes Hinweisschild hat der kindergarteneigene Garten erhalten. Bild: Hüfner

Ende April war es dann soweit, die umsorgten Setzlinge in die vorbereiteten Beete zu pflanzen. Das Gießen wurde dabei zum Höhepunkt im Tagesablauf der Kinder. Da kein Schlauch vorhanden war, chauffierten sie die Gießkannen mit dem Dreirad vom Wasserhahn zum Gartenstück, wie Kraus erzählt.

Dann kam der Tag, als die Radieschen reif für die Ernte waren. Die Eltern wurden aufgefordert, ein Butterbrot in die Brotbox zu packen und dann gab es zum Vesper die erste eigene Ernte. „Jetzt bin ich scharf“, meinte eines der Kinder nach dem Genuss, erinnert sich Metzger. Später folgte der erste Kopfsalat mit frischen Frühlingszwiebeln.

Damit der überhaupt das Reifestadium erreichte, war einige Logistik erforderlich. „Schneckenpolizisten“ sammelten die lästigen Tierchen ein, Gießer waren, wie oben beschrieben, mit dem Dreirad unterwegs und Unkrautzupfer wurde zu einer eigenen Tätigkeit.

Inzwischen sind die Kohlrabi reif, die mit Quark vervespert werden. Nicht unerheblich zum kulinarischen Erfolg dürfte beigetragen haben, dass dazu frisches Brot serviert wird, das die Kindergärtnerinnen besorgen.

Es sei nicht ungewöhnlich, wenn Kinder sagen „ich mag das nicht“, versichert Kraus. Mindestens 20 Mal müsse ein Kind wenigstens eine kleine Portion probiert haben, bis dann wirklich fest steht, dass es ein bestimmtes Nahrungsmittel nicht mag.

Staunen über die Natur und das, was sie hervorbringt. Bild: Hüfner
Staunen über die Natur und das, was sie hervorbringt. Bild: Hüfner

Im Kindergarten „Kunterbunt“ ließen sich in der Gruppe manche Kinder anstecken, die für sie ungewohnten „Genüsse“ zu essen. Mehr noch: Die Erzieherinnen berichten davon, wie manche Eltern so den Einkaufszettel um Frischwaren bereicherten, weil der Nachwuchs seine Wünsche äußerte.

„Das sieht toll aus, schöner, wie bei uns“, war ein Kommentar , den Kraus von einer Mutter hörte, die den „kunterbunten“ Garten sah. Auch dass beim Arbeitseinsatz der Väter eine Mutter mit frischer Pizza und Dessert ihren persönlichen Beitrag leistete, freut die Erzieherinnen.

Hartmann sieht sich in seinem Engagement bestätigt. Alleine das Bereitstellen des Materials bewirkte im Kindergarten sehr viel. Für ihn ist damit schon das Ziel erreicht, dass ein Kind seine Mutter dazu bewegte, ihm im Laden Radieschen zu kaufen.

Aber die Erzieherinnen haben noch viel vor, bis das letzte Gemüse geerntet ist. Da die Sommerferien über der Kindergarten geöffnet ist, gibt es keine Probleme beim Pflegen der Pflanzen und so wird das Gemüse geerntet und frisch gegessen. Als Abschluss soll es dann im Oktober ein großes Kürbisfest geben, so die Pläne. Dazu werden auch die Eltern eingeladen. Wenn alles klappt, dürfen sie dann Kürbissuppe probieren.

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