Gestern Nachmittag standen noch diese Verkehrsschilder an der Zufahrt zur "Giesse" am Ortsausgang der Nackermühle. Bild: Hüfner
Gestern Nachmittag standen noch diese Verkehrsschilder an der Zufahrt zur „Giesse“ am Ortsausgang der Nackermühle. Bild: Hüfner

Lottstetten (hüf) Die Zufahrt zur Uferwiese „Giesse“ beim Lottstetter Ortsteil Nackermühle bleibt für den Autoverkehr weiterhin offen.

Das entschied der Gemeinderat in seiner Sitzung gestern Abend. Vier Gemeinderäte sprachen sich dagegen aus, einer enthielt sich.

Seit Jahrzehnten wird der Waldweg zu der beliebten Badestelle am Rhein von Personenwagen benutzt. „Das war Gewohnheitsrecht“, so Bürgermeister Jürgen Link.

In diesem Frühjahr war ein Waldbesitzer dabei, Holz zu schlagen, wozu er den Weg sperrte. Das führte bei einigen Autofahrern zu Verärgerung. Dabei sei der Waldeigentümer mit einem Angler in Streit geraten, was dann aktenkundig wurde, erläuterte Link.

„Ein Vorgang wurde angelegt“, dann sei das seinen bürokratischen Weg gegangen. Dabei stellte sich heraus, dass die Benutzung des Waldwegs als Zufahrt zur „Giesse“ für Privatpersonen gar nicht erlaubt ist. Lediglich Waldbesitzer und Angler dürften hier entlang fahren. Selbst die Pächter eines Bootsliegeplatzes bei der „Giesse“ müssen mit einem Bußgeld rechnen, wenn sie hier unterwegs sind.

Ein schon etwas betagter Wergweiser. Bild: Hüfner
Ein schon etwas betagter Wergweiser. Bild: Hüfner

Entscheiden statt vertagen

Die Gemeinde suchte daher nach einer Lösung beim Kreisforstamt. Die sieht so aus, dass der Waldweg zu einem öffentlichen Weg umgewidmet wird. Rechtlich bedeutet dies unter anderem eine Verkehrssicherungspflicht für die Gemeinde oder dass die Zufahrten in abgehende Waldwege mit Schranken gesperrt werden müssen. Link nannte hier Kosten von etwa 17 000 Euro.

Bei einer Besprechung mit dem zuständigen Revierleiter vor wenigen Tagen stellte sich heraus, dass bestimmte Auflagen wie Absperrschranken nicht erforderlich seien, was dann die Ausgaben der Gemeinde auf rund 5 bis 7 000 Euro reduzieren würde. Der Bürgermeister empfahl dem Gemeinderat, für die Änderung des rechtlichen Status zu stimmen, so dass die Zufahrt zur Uferwiese weiter offen bleiben kann.

Dem Vorschlag stimmte die Mehrheit dann tatsächlich zu, allerdings nach einer mehr als halbstündigen Debatte. Die vermittelte über lange Strecken den Eindruck, als sollte die Zufahrt mit dem Auto künftig verboten werden.

Zwei unterschiedliche Standpunkte

Sauer stieß einigen Gemeinderäten auf, dass die Wiese angeblich von 80 Prozent Auswärtigen genutzt werde. An die sollten künftig Geldbußen ausgestellt werden. Das aber verbietet sich aus dem Grundsatz der Gleichbehandlung, betonte Link.

Ein Schild, das den Autoverkehr im Wald untersagt. Es steht beim Parkplatz unterhalb der Nackermühle. Bild: Hüfner
Ein Schild, das den Autoverkehr im Wald untersagt. Es steht beim Parkplatz unterhalb der Nackermühle. Bild: Hüfner

Die Idee, nur der Dorfbevölkerung die Zufahrt zu gestatten, eine Parkkarte oder gar eine „Mautgebühr“ zu verlangen, wurde ebenfalls in der Diskussion erwogen.

„Die ‘Giessi’ ist ein Stück Lottstetten“, hieß es, eine Einschränkung dürfe es nicht geben. Die Zeiten, in denen jedes Wochenende Zoll und Polizei gerufen wurden, seien längst vorbei.

Eine andere Position war, die Badestelle von jeglichem Autoverkehr frei zu halten. Immerhin besteht etwa einen Kilometer entfernt ein Parkplatz, der vor über zehn Jahren angelegt worden war, und Stellplätze für 15 bis 20 Fahrzeuge bietet. Die Zustimmung zur Umwidmung werde weitere Entscheidungen nach sich ziehen, lautete die Warnung, so beispielsweise eine WC-Anlage.

Rechtlich einwandfreie Lösung

Die touristische Ausrichtung der Gemeinde würde eher Radfahrer und Wanderer als Zielgruppe ansprechen, daher sollte der Platz vom Autoverkehr frei gehalten werden. Die Legalisierung der Zufahrt werde mehr Verkehr anziehen, war ein weiteres Argument, sich gegen die Umwidmung auszusprechen.

Mit diesem Meinungsbild konfrontiert, schlug Link vor, die Abstimmung zu vertagen, auch, um rechtliche Fragen abzuklären. Letztlich äußerte das Gremium den Wunsch, noch in der Sitzung einen Beschluss zu fassen. Der hieß mit deutlicher Mehrheit die Öffnung des bisherigen Waldwegs für die Zufahrt zur „Giesse“ gut.

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