Ein Kreuz aus Efeustamm für die gefällten Pappeln an der Rheinschleife. Bild: Hüfner

Altenburg (hüf) Das Entsetzen ist groß unter den Altenburgern, die regelmäßig den Rheinuferweg bei der Kläranlage benutzen. Auf knapp einem halben Kilometer fehlen seit kurzem die Bäume. Dutzendweise ragen aus der Uferböschung nur noch Baumstümpfe. Äste, Hackschnitzel und Baumaterial liegen im Wald an der Hangseite des Weges. Der ist mit einer neuen Deckschicht versehen, doch überall haben schwere Maschinen ihre Reifenspuren darauf hinterlassen.

Gut – vorgewarnt war, wer den Bericht auf Hierzuland.info vom 27. Januar gelesen hatte, und auch, wer in dieser Gemeinderatsitzung mit dabei war. Bürgermeisterin Ira Sattler gab damals die Mitteilung der Forstverwaltung bekannt, dass an diesem Rheinabschnitt eine Fällaktion anstehen würde.

Pappeln sind in den vergangenen Jahren sowieso eine Baumart, die nicht unbedingt wohlgelitten ist. Entlang der Gewässer am Hochrhein verschwinden sie. Das hängt unter anderem mit ihrem Alter zusammen. Viele Anpflanzungen erfolgten in der Nachkriegszeit. Pappeln waren damals als schnellwachsende Bäume in Mode. Ihr Holz sollte später vor allem für die Herstellung von Zündhölzern verwendet werden. Ähnliche Entwicklungen sind in südlicheren Ländern zu sehen. Dort entstanden riesige Eukalyptuswälder in der Erwartung, das Holz an die Papierindustrie verkaufen zu können. Die bezieht ihr Rohmaterial aber inzwischen viel günstiger aus Entwicklungsländern.

Dass die Fällaktion an der Rheinschleife solch ein Ausmaß annehmen würde, dazu brauchte es dann aber doch ein ganz erhebliches Misstrauen gegenüber dem Forst, der eigentlich in der jüngeren Vergangenheit recht moderat ans Werk ging.

Nicht alle Bäume fielen der Fällaktion zum Opfer. Größere standorttypische Exemplare bekommen so Platz. Bild: Hüfner

Das lässt sich nicht unbedingt beim Rheinuferweg sagen, bildeten doch die hochgewachsenen Pappeln seit Jahrzehnten ein vertrautes Bild für die Spaziergänger und Bootsfahrer entlang der Rheinschleife. Mit der Fällaktion ist in diesem Abschnitt nun der Eindruck, in einem Wald unterwegs zu sein, unwiederbringlich vorbei. Jedenfalls für die nächsten Jahrzehnte, bis die angekündigten Ersatzpflanzungen an Höhe gewinnen. Auch die wenigen Nicht-Pappeln, die von der Fällaktion verschont blieben, werden dann womöglich einen Ersatz bieten.

Wenig nachvollziehbar ist die konsequente Abholzung aller Pappeln auf diesem Streckenabschnitt. An manchen Baumstümpfen sind noch die Netze vorhanden, mit denen die Bäume vor den scharfen Nagezähnen der Biber geschützt werden sollten.

Tatsächlich erfüllten sie ihre Aufgabe und sorgten dafür, dass jetzt Stämme mit einem Durchmesser von über einem Meter zum Verkauf und Abtransport bei der Kläranlage bereit liegen.

Anlieger nutzten die Arbeiten ebenfalls und lichteten die Baumbestände auf ihren Grundstücken. Der augenblickliche Zustand beidseits des vielgenutzten Weges kann nur als vorläufig bezeichnet werden. Baumaterialien liegen dort, ebenso sind Pappelstämme gelagert.

Dieser Baumstamm liegt schon seit Jahren am Rand des Wanderwegs. Bild: Hüfner

Für die Passanten stellt sich allerdings die Frage, ob dieser Zustand so bleiben wird. Es gibt Stellen, an denen geschlagenes Holz schon so lange liegt, dass es längst verrottet.

Was die vielen Fußgänger und Radfahrer von der Fällaktion halten, das wird ganz am Ende des gefällten Pappelstreifens deutlich. Aus Efeuranken gestaltet, ist ein Kreuz an einem Baumstrunk angebracht, der ohne Erklärungen ganz einfach den Schluss zulässt, dass es Menschen gibt, die um die gefällten altehrwürdigen Bäume entlang der Rheinschleife trauern.

[nggallery id=58]

 

© für alle Bilder: Manfred Hüfner

 

 

Advertisements